Stadt reagiert auf Missbrauchsstudie: Kardinäle sollen als Straßennamen verschwinden
Von Carsten Linnhoff
Paderborn - Nach der Vorstellung einer Missbrauchsstudie zu sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn will die Stadt Konsequenzen ziehen.
Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (56, CDU) hat dem Stadtrat vorgeschlagen, die Namen der ehemaligen und toten Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Joachim Degenhardt aus der Liste der Ehrenbürger zu streichen und eine nach den beiden benannten Straße und einen Platz umzubenennen.
Den Kardinälen Jaeger (von 1941 bis 1973 im Amt) und Degenhardt (1974 bis 2002) werfen Wissenschaftler der Uni Paderborn vor, während ihrer Amtszeiten Priester als mögliche Täter geschützt, Fälle vertuscht und Opfer und deren Familien unter Druck gesetzt zu haben.
Dabei gibt es Hinweise auf 210 Beschuldigte, die 489 Kinder und Jugendliche missbraucht haben sollen.
Die Uni betont ausdrücklich, dass es sich hierbei um heute bekannte Fälle handelt. Das Dunkelfeld sei vermutlich noch erheblich höher. Nach der Vorstellung der Studie Mitte März haben sich bereits weitere mögliche Opfer gemeldet.
CDU-Politiker Strate brachte den Antrag in den Rat der Stadt ein, der in seiner heutigen Sitzung über die Vorschläge abstimmen will.
Titelfoto: Friso Gentsch/dpa
