Sexuelle Übergriffe auf Ärztetag? Studentinnen berichten von mehreren Fällen

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Hannover - Sexismus-Eklat auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover! Am letzten Tag der Hauptversammlung der Bundesärztekammer ergriffen mehrere Teilnehmerinnen auf der Bühne das Wort und klagten über sexuelle Übergriffe, die sie im Zuge des Kongresses erlebt hätten.

Auf dem 130. Deutschen Ärztetag in Hannover sorgte ein Redebeitrag von jungen Studentinnen für Fassungslosigkeit. (Archivbild)
Auf dem 130. Deutschen Ärztetag in Hannover sorgte ein Redebeitrag von jungen Studentinnen für Fassungslosigkeit. (Archivbild)  © Julian Stratenschulte/dpa

Die fünf Medizinstudentinnen, die als Teil einer Delegation der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) am Ärztetag teilgenommen hatten, haben am Freitag eine Erklärung abgegeben. Diese Erklärung wurde unter anderem auch im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht.

Vor den versammelten Teilnehmern berichteten sie demnach: "Uns allen fünf weiblichen Mitgliedern unserer Delegation sind in den letzten drei Tagen Übergriffe passiert."

Anschließend folgten einige Beispiele von inakzeptablem Verhalten, dessen sie Zeuge geworden seien. Anzügliche Kommentare über ihr "hübsches Auftreten" oder ihr Dekolleté seien dabei nur die Spitze des Eisbergs gewesen.

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Vielmehr sei es vorgekommen, dass ihnen "Hände auf Rücken und Gesäß" gelegt, dass sie mehrfach von männlichen Kollegen auf deren Hotelzimmer eingeladen oder gebeten wurden, mal eben "vor die Tür" zu gehen. Außerdem: "Mit unseren männlichen Kollegen über berufspolitische Themen zu sprechen – mit uns weiblichen über Kinder kriegen und Stillen, ist unangebracht."

Die fünf Frauen verwiesen abschließend darauf, dass es sich bei sexualisierter Gewalt gegen Studentinnen um ein "systematisches Problem" handle und betonten: "Dieser Umgang ist auf einer Veranstaltung mit Akademikern im Gesundheitswesen nicht nur respektlos, sondern absolut inakzeptabel."

Präsident der Bundesärztekammer will Vorfälle aufklären

Klaus Reinhardt (65), Präsident der Bundesärztekammer, will die Vorfälle aufklären.
Klaus Reinhardt (65), Präsident der Bundesärztekammer, will die Vorfälle aufklären.  © Julian Stratenschulte/dpa

Für ihren Redebeitrag ernteten die Medizinstudentinnen dem Bericht zufolge Standing Ovations und viel Zuspruch von nachfolgenden Rednern.

Der Präsident der Bundesärztekammer (BAK), Klaus Reinhardt, versprach unterdessen Aufklärung: "Es tut mir außerordentlich leid, dass Ihnen das passiert ist. Es ist zutiefst verstörend, und wir werden uns daran machen, die Vorfälle aufzuklären."

Ein erster kleiner Erfolg konnte bereits kurze Zeit später erzielt werden: Eine große Mehrheit der Delegierten stimmte einem Antrag zu, wonach sich das Ärzteparlament in Wiesbaden mit Machtmissbrauch und Übergriffen in der Medizin beschäftigen soll.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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