Von Christopher Hirsch
Rostock - Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die jüngere Schwester der wegen Mordverdachts angeklagten Gina H. (30) eine Zerrüttung der gemeinsamen Familie beschrieben.
Die Schwester hat nach eigener Aussage schon länger keinen Kontakt mehr zur Angeklagten oder zu den Großeltern, bei denen beide ab einem bestimmten Alter aufgewachsen sind. Anders als die Angeklagte habe sie aber Kontakt zur gemeinsamen Mutter, die wegen des Mordprozesses "fix und fertig" sei.
Ihre Schwester könne zwar liebevoll sein, sagte die Zeugin. Wenn etwas jedoch nicht ihren Vorstellungen entspricht, könne sie sehr schnell aufbrausend werden. Es musste stets, "alles nach ihrer Nase gehen", sagte sie über ihre ältere Schwester.
Sie warf der Angeklagte vor, sich während der gemeinsamen Jugend mit Lügen in ein besseres Licht gestellt und Aufmerksamkeit erheischt zu haben.
Die jüngere Schwester war vom Landgericht Rostock als Zeugin geladen worden. Anders als der Großvater, der ursprünglich am Freitag aussagen sollte, machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht nicht Gebrauch.
Schwestern keifen sich im Gericht an: "Hast du einen Dachschaden?"
Die Spannung zwischen den Geschwistern wurde im Gerichtssaal deutlich. Die Angeklagte musterte ihre jüngere Schwester skeptisch und gab ihren Unmut über die Schilderungen einmal gut hörbar kund: "Hast Du einen Dachschaden oder was?", warf sie ihrer jüngeren Schwester an den Kopf.
Diese quittierte dies ihrerseits mit einem verbalen Anwurf. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt ermahnte daraufhin beide.
Am Donnerstag wurde der Mammutprozess nach einer vierwöchigen Pause fortgesetzt. Am Freitag steht der inzwischen 21. Prozesstag an.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben.
Das Motiv soll demnach mit ihrer Beziehung zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende zusammenhängen.
Erstmeldung: 14.37 Uhr, aktualisiert: 16.59 Uhr