20-Jähriger droht in ICE mit Anschlag und verletzt mindestens 12 Passagiere
Von Niklas Graeber und Christian Thiele
Siegburg - Inmitten der Oster-Reisewelle hat ein Mann in einem ICE in Nordrhein-Westfalen Polizeiangaben zufolge mit einem Anschlag gedroht und Böller explodieren lassen. Zwölf Fahrgäste wurden bei dem Vorfall am Donnerstagabend leicht verletzt.
Der 20-jährige Deutsche aus Aachen soll in dem Zug von dort nach Frankfurt laut Zeugenaussagen pyrotechnische Gegenstände, die mit Kunststoffkugeln gefüllt waren, geworfen haben, wie ein Sprecher der Polizei Siegburg der Deutschen Presse-Agentur sagte.
In einer Mitteilung aus der Nacht hieß es, dass es sich um zwei bislang nicht näher bestimmte pyrotechnische Gegenstände gehandelt habe. Die Polizei rückte mit schwer bewaffneten Beamten an, der ICE 19 wurde geräumt.
Die Hintergründe des Vorfalls sind weiter unklar. Der Tatverdächtige befindet sich laut der Mitteilung aus der Nacht im polizeilichen Gewahrsam. Die Ermittlungen zu seiner Motivation und den Hintergründen dauerten an, hieß es.
Der Staatsschutz der Bonner Polizei, der bereits in der Nacht hinzugezogen wurde, hat am Freitagmorgen die Ermittlungen übernommen. Diese werden in enger Abstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Sprengstoff- und das Waffengesetz geführt.
In der Mitteilung hieß es auch, dass eine verletzte Person vermutlich ein Knalltraumata erlitten habe. Sie wurde demnach in ein Bonner Krankenhaus gebracht, kurze Zeit später aber wieder entlassen.
Polizei nimmt Verdächtigen fest - Messer im Rucksack
Eine Sprecherin der Bundespolizei sprach nach einer ersten Lageeinschätzung auch von "leichten, oberflächlichen Hautverletzungen" bei Betroffenen. Die meisten Fahrgäste in dem Zug kamen kurz vor Ostern aber mit dem Schrecken davon.
Der Mann habe mit einem Anschlag gedroht und ein Messer im Rucksack gehabt, sagt die Sprecherin der Bundespolizei. Details nannte sie nicht.
Bei Durchsuchungen fanden die Beamten ein weiteres Messer sowie zwei frei verkäufliche Rauchkörper und eine Maske, wie es in der Mitteilung weiter hieß. Zuvor hatten mehrere Medien über den Vorfall berichtet.
"Um 20.55 Uhr wurden vermeintliche Schüsse im Zug ICE 19 am Bahnhof Siegburg gemeldet", hatte eine Bahn-Sprecherin mitgeteilt.
Nach ersten Untersuchungen der Polizei habe sich herausgestellt, dass es sich bei den Knallgeräuschen um gezündete Feuerwerkskörper gehandelt habe.
Die Bundespolizei sprach zunächst von sogenannten Softair-Böllern. Um was es sich genau handelte, war am Morgen noch unklar.
Rund 180 Passagiere müssen betroffenen Zug verlassen
Dem Sprecher der Siegburger Polizei zufolge hatte der Tatverdächtige zunächst die Böller gezündet und sich dann auf eine Zugtoilette zurückgezogen. Dort habe ihn dann ein Fahrgast eingeschlossen, bis der Zug am Bahnhof eintraf.
Der 20-Jährige sei dort von der Bundespolizei herausgezogen worden und nun im Gewahrsam der Siegburger Polizei, sagt der Sprecher.
Zunächst war die Rede von insgesamt rund 150 Fahrgäste gewesen, die den Zug verlassen mussten und von der Feuerwehr versorgt wurden. Später schrieb die Polizei dann von 180 Gästen an Bord.
Die Passagiere seien in einer nahegelegenen Turnhalle von der Siegburger Feuerwehr versorgt und durch Notfallseelsorger betreut worden, hieß es.
Der Zug und das Bahngleis seien untersucht und später wieder freigegeben worden.
Erstmeldung: 2. April, 23.14 Uhr; zuletzt aktualisiert: 3. April, 13.36 Uhr
Titelfoto: Marius Fuhrmann/dpa

