Brandstiftung in Reutlingen, 30.000 Menschen ohne Strom: Waren es linksextremistische Täter?
Von Marco Krefting, Fabian Nitschmann, Martin Oversohl
Reutlingen - Der nächtliche Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen, der einen großflächigen Stromausfall in der Region auslöste, könnte nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen gezielt gelegt worden sein. 7600 Haushalte (etwa 30.000 Menschen) sind derzeit ohne Strom.
Laut dem Netzbetreiber Netze BW gibt es Hinweise auf Brandstiftung. Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt.
Die Vorgehensweise deute auf linksextremistische Täter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur.
"Dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg liegen derzeit keine weiterführenden Erkenntnisse zur mutmaßlichen Brandstiftung in Reutlingen vor. Bislang wurden noch keine Bekennerschreiben veröffentlicht", teilt eine Sprecherin der Behörde mit. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Auch das LKA Baden-Württemberg ist eingebunden.
Nach dpa-Informationen entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro. Noch ist unklar, wann wieder alle Haushalte in Reutlingen mit Strom versorgt werden.
Erste Einsätze für Rotes Kreuz und Malteser in Reutlingen
Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser-Hilfsdienstes sind im Einsatz.
"Die Hilfsorganisationen bereiten sich für eine längere Einsatzdauer, die Betreuung von zahlreichen Hilfsbedürftigen sowie die Versorgung von Patienten vor", informierte die Stadt.
Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass viele Menschen noch länger ohne Stromversorgung bleiben. Für die Nacht wird ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, sagte Bürgermeister Roland Wintzen. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können.
Der Stromausfall hat auch die Kreiskliniken in der Stadt getroffen. "Es kam für mehrere Stunden zu Einschränkungen in unserem Betrieb", sagte ein Sprecher der Krankenhäuser.
Auch Kreiskliniken in Reutlingen betroffen
Das Klinikum am Steinenberg sei bis gegen 6 Uhr über ein Notstromaggregat versorgt worden, danach habe das Haus wieder Strom bekommen.
"Wir sind dennoch mit angezogener Handbremse unterwegs", sagte der Sprecher. "Vorsorglich bis heute Mittag haben wir alle planbaren Operationen verschoben."
Bürgerinnen und Bürger erhalten nach Angaben der Stadt die aktuellsten Informationen unter www.fairnetzgmbh.de sowie der Sondernummer 07121 319 45 300. In medizinischen Notfällen gelte weiterhin die Notrufnummer 112.
Erstmeldung am 8. Juni, 8.30 Uhr, aktualisiert um 15.06 Uhr.
Titelfoto: Christoph Schmidt/dpa

