Jugendamt holt Kinder aus Heim: Misshandlungs-Vorwürfe gegen Leitung
Von Anne-Sophie Schuhwerk
Kempten - Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelt wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen gegen die Leitung eines Allgäuer Kinderheims.
Wie die Behörde auf Anfrage bestätigte, wurden die Wohnung einer beschuldigten Person sowie die Einrichtung selbst durchsucht.
Dabei seien mögliche Beweismittel sichergestellt worden, die nun ausgewertet werden sollen. Zuvor hatte der Bayerische Rundfunk berichtet.
Hintergrund der Ermittlungen ist, dass das zuständige Jugendamt nach Beschwerden ehemaliger Mitarbeiter Mitte April sechs Kinder aus der Einrichtung geholt hatte.
Der Behörde seien gewichtige Anhaltspunkte für eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls bekanntgeworden, teilte sie mit.
Dazu zählten unter anderem "fragwürdige Erziehungsmaßnahmen, wie beispielsweise ein unangemessener Umgang mit freiheitsbeschränkenden Maßnahmen gegenüber den betreuten Kindern".
Hinter der privaten Trägergesellschaft steht ein Verein, dem mehrfach ein christlich-fundamentalistisches Weltbild unterstellt wird.
Verein äußert Bedauern – und macht Behörden Vorwürfe
Die Staatsanwaltschaft Kempten prüft jetzt, ob diese Methoden strafbar sein könnten. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
In einer ersten Stellungnahme Ende April machte der Verein, der laut eigenen Angaben Gesellschafter der gemeinnützigen Träger-GmbH des Heims ist, den Behörden zunächst Vorwürfe.
Dadurch, dass die Kinder unangekündigt aus der Einrichtung geholt worden seien, seien sie retraumatisiert worden. Man bedauere "die Entwicklungen sehr" und prüfe "weitere Schritte".
Zu den laufenden Ermittlungen äußerte sich der Verein auf Anfrage zunächst nicht.
Datiert auf den Tag der Durchsuchungen hieß es auf der Internetseite des Vereins mit Blick auf das Kinderheim lediglich: "Aufgrund der weiteren Entwicklungen wurde der Betrieb eingestellt. Der Träger wird zudem keine weiteren rechtlichen Schritte mehr verfolgen."
Die Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren seien inzwischen in Pflegefamilien oder anderen Einrichtungen untergebracht. Wie die Regierung von Schwaben bestätigt, darf das Kinderheim aktuell ohne ihre Zustimmung auch keine Kinder mehr aufnehmen.
Titelfoto: Katarzyna Białasiewicz/123RF

