Vermisste Rebecca Reusch: Mutter von Fahndungsfoto "geschockt"

Berlin - Mehr als 1000 Tage ist es her, dass die damals 15-jährige Rebecca Reusch aus Berlin-Buckow spurlos verschwand. Bis heute gibt es kein Lebenszeichen von ihr. Ihrem tatverdächtigen Schwager konnte nichts nachgewiesen werden. Und seine Familie steht geschlossen hinter ihm - trotz einiger Indizien, die ihm in der Quere liegen.

Über dieses Fahndungsfoto von Rebecca Reusch, die am 18. Februar 2019 verschwand, ärgerte sich Mutter Brigitte.
Über dieses Fahndungsfoto von Rebecca Reusch, die am 18. Februar 2019 verschwand, ärgerte sich Mutter Brigitte.  © RTL / Polizei Berlin

In der am Donnerstag bei RTL+ erschienenen Doku "Rebecca - Was geschah mit unserer Tochter?" wird der Fall ausführlich behandelt, neue Stimmen gesammelt und Fakten eingeordnet.

"Ich hätte niemals gedacht, dass sich das so ewig lang hinzieht", sagt Rebeccas Schwester Vivien zu Beginn. "Ich hoffe wirklich, dass es bald ein Ende hat und meine Eltern endlich ihre Becci wiederbekommen."

Peter Schnieders, Kriminalhauptkommissar a. D., ist sich sicher: "Mädchen, die so zu Hause angebunden sind wie Rebecca, melden sich irgendwann wieder." Doch bis heute, 1006 Tage nach ihrem Verschwinden, ist dies nicht geschehen.

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Rückblick: Am 17. Februar 2019, einem Sonntag, ist Rebecca zu Besuch bei ihrer älteren Schwester Jessica. Sie spielen Sims, essen Pizza mit Käserand. Ihre Nichte schläft schon, ihr Schwager befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf einer verspäteten Weihnachtsfeier.

Gegen 23 Uhr legen sich die Schwestern schlafen. Um 5.45 Uhr kommt Jessicas Mann leicht angetrunken nach Hause. Er habe sich direkt schlafen gelegt, was später widerlegt wird. Um 7 Uhr bringt Jessica ihre Tochter zur Kita. Ob Rebecca da noch auf der Couch lag, weiß ihre große Schwester nicht.

Brigitte Reusch beim Blick auf ein Foto ihrer vermissten Tochter.
Brigitte Reusch beim Blick auf ein Foto ihrer vermissten Tochter.  © RTL / Steven Raunheimer

"Rebecca - Was geschah mit unserer Tochter?": Schwager drückte Anruf seiner Schwiegermutter weg

Florian R. ist der einzige Tatverdächtige im Vermisstenfall. Ob Rebecca tatsächlich tot ist, ist aber unklar.
Florian R. ist der einzige Tatverdächtige im Vermisstenfall. Ob Rebecca tatsächlich tot ist, ist aber unklar.  © Polizei Berlin

Am Morgen habe Brigitte Reusch ihre Tochter Rebecca angerufen, doch es sei nur die Mailbox rangegangen. Nicht ungewöhnlich, da "Becci" immer mit Flugmodus schläft und vergessen haben könnte, ihn zu deaktivieren.

Später drückt Schwiegersohn Florian R. ihren Anruf weg. Doch er ruft zurück und sagt, dass im Wohnzimmer alles dunkel und Rebecca nicht mehr da sei. Für Brigitte steht fest: Ihre Tochter ist auf dem Weg zur Schule.

Da der Unterricht an dem Tag aber erst zur zweiten Stunde beginnt, wird Brigitte nicht über das Fehlen ihrer Tochter informiert. Dies geschieht nur zu Beginn der ersten Stunde um 8 Uhr.

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Um 15.10 Uhr wäre Schulschluss gewesen. Das Smartphone der 15-Jährigen ist da noch immer ausgeschaltet. Sehr ungewöhnlich für den handysüchtigen Teenager.

Nachdem Papa Bernd den Umkreis vergeblich absucht, melden die Eltern ihre Tochter als vermisst.

Als die Beamten ihrer Meinung zu wenig für die Suche nach Rebecca investieren, ruft ihre Mutter auf der Wache an. "Man hat mir gesagt, wie viel Arbeit man auf dem Tisch hat, ich könnte vorbeikommen und gern schauen, wie viel Papier auf dem Schreibtisch liegt und er sehr viel wichtigere Fälle hat als meinen und ich könnte mich ja beschweren." Ein Schlag ins Gesicht für Brigitte Reusch.

Vermisste Rebecca Reusch: "Wir waren geschockt von dem Bild!"

Auch diese auffällige Fleecedecke ist verschwunden.
Auch diese auffällige Fleecedecke ist verschwunden.  © Polizei Berlin

Die Polizei will später ein aktuelles Foto für die Fahndung haben. Da Rebeccas Haare kürzlich geschnitten wurden und es kein aktuelles gab, nahmen die Beamten eines von Instagram. Auf diesem trägt die Jugendliche nach oben gesteckte Haare, ihr Gesicht ist durch einen Filter weichgezeichnet.

"Wir kannten es selber nicht, wir waren geschockt von dem Bild. Dann dachte ich, das ist ja eigentlich nicht mein Kind", so die Mutter.

Peter Schnieders weiß, wieso dieses Foto ausgewählt wurde und versteht die Kritik der Eltern nicht: "Damit erreichen wir doch eine viel größere Aufmerksamkeit, als mit einem langweiligen Bild. Da guckt doch keiner mehr hin."

Bei den Ermittlungen wird klar, dass Rebeccas Handy am Morgen des Verschwindens mehrfach ein- und ausgeschaltet wurde und sich auch mehrmals in den WLAN-Router eingewählt hat. Die Handyaktivität endet im Haus ihrer Schwester. Für die Polizei steht fest: Rebecca hat das Gebäude nicht (lebend) verlassen.

Der Einzige, der zum vermutlichen Zeitpunkt des Verschwindens mit Rebecca im Haus war, war Florian R. "Er ist Schwager und Freund. Er hat ein gutes Herz und ist ein lustiger Mensch", berichtet Vivien Reusch. Seine Schwiegermutter Brigitte bestätigt, er sei für "Becci" wie ein großer Bruder sowie seit mehr als zehn Jahren voll in die Familie integriert gewesen.

Zwei Autofahrten des Schwagers werfen Fragen auf

Im Auto wurde eine Faser der Decke sowie Haare von Rebecca gefunden.
Im Auto wurde eine Faser der Decke sowie Haare von Rebecca gefunden.  © Polizei Berlin

Dennoch richtet sich der Hauptverdacht schnell gegen ihn. Als er im Beisein seiner Familie festgenommen wird, brüllt seine Schwiegermutter den Polizisten hinterher: "Sie machen hier einen riesengroßen Fehler!"

Allerdings macht er widersprüchliche Aussagen. Entgegen seiner Angaben legte er sich nach der Party-Rückkehr nämlich nicht schlafen, sondern schaute sich Pornos an.

Zwei Autofahrten warfen ebenfalls Fragen auf. Am Vormittag des Verschwindens wurde das Kennzeichen des himbeerroten Renault Twingo auf der A12 zwischen Berlin und Polen gescannt. Zu diesem Zeitpunkt gab er aber an, zu Hause gewesen zu sein.

Einen Tag später tauchte der Wagen um 22.39 Uhr wieder an dieser Stelle auf. Beide Fahrten verschwieg er Ermittlern und Familie und hatte keine Erklärung dafür. Es soll aber angeblich um illegale Geschäfte in Polen gegangen sein. Bis dorthin ist er aber definitiv nicht mit seinem Auto gefahren.

Zudem wurde eine Faser der Decke, die aus dem Haus verschwand, ebenso wie Rebeccas Haare im Kofferraum des Wagens gefunden. Weiterhin wollen drei Reiterinnen am Tag des Verschwindens auf einem Waldweg unweit der A12 bei Storkow jenen himbeerfarbenen Twingo gesehen haben. Ein Mann mit rotem Cap sei aufgetaucht und hastig wieder in den Wald zurück, als er sie gesehen habe. "Der Verdacht liegt nahe, dass er die Leiche dort irgendwo entsorgt hat", so der ehemalige Kriminalhauptkommissar Peter Schnieders.

Doch die ganze Familie steht hinter Rebeccas Schwager.

Dieses Bild zeigt exakt die Verkehrsüberwachungsanlage, die laut Staatsanwaltschaft das Kennzeichen des himbeerroten Twingos am 18. und 19. Februar erfasst hat.
Dieses Bild zeigt exakt die Verkehrsüberwachungsanlage, die laut Staatsanwaltschaft das Kennzeichen des himbeerroten Twingos am 18. und 19. Februar erfasst hat.  © Morris Pudwell

Rebecca Reusch: Was gegen einen Mord spricht

Der Wald bei Storkow, in dem Rebeccas Leiche vermutet wurde, bzw. wird.
Der Wald bei Storkow, in dem Rebeccas Leiche vermutet wurde, bzw. wird.  © Paul Zinken/dpa

Es gibt aber auch Zeugen, die Rebecca danach lebend gesehen haben wollen. Samantha J. sagt sogar, sie habe die Vermisste am Abend des 18. Februar 2019 an einer Bushaltestelle entdeckt. "Ich bin mir zu 1000 Prozent sicher, dass es Rebecca war." Auch in Polen und auf Teneriffa soll die Teenagerin aufgetaucht sein - ohne Beweise.

Ein freiwilliges Verschwinden ist zwar möglich, aber unentdeckt nach so langer Zeit zu bleiben äußerst unwahrscheinlich. Auch eine Entführung oder ein Unfall können nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Die Mutter glaubt weiter daran, dass ihre Tochter lebend auftaucht: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Eure Hinweise zu dem Fall nimmt die 3. Mordkommission beim Landeskriminalamt, Keithstraße 30 in 10787 Berlin unter Tel. (030) 4664-911333 oder per E-Mail (lka113-hinweis@polizei.berlin.de) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Die ganze Doku seht Ihr ab sofort bei RTL+ oder am 2. Dezember ab 20.15 Uhr im Free-TV bei RTL.

Titelfoto: Bildmontage: Polizei Berlin, RTL / Steven Raunheimer

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