Dämpfer für deutsche KI-Hoffnung? DeepL streicht jede vierte Stelle
Köln - Das 2017 gegründete Kölner Start-up DeepL gilt bei Expertinnen und Experten als das bislang einzige auf KI-Anwendungen spezialisierte Unternehmen aus Deutschland, das mit großen Tech-Giganten wie Microsoft, Google oder OpenAI konkurrieren kann. Nun wird es neu aufgestellt.
"Heute reduzieren wir die Gesamtbelegschaft von DeepL um etwa 250 Stellen", schreibt Jarek Kutylowski, DeepL-Gründer und -CEO, am Donnerstag auf seinem LinkedIn-Profil. Bei insgesamt rund 1000 Beschäftigten bedeutet das, dass etwa jeder vierte Mitarbeiter bzw. jede vierte Mitarbeiterin gehen muss.
Diese Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, betont Kutylowski. Sie sei aber bewusst getroffen worden, um das Start-up strukturell neu aufzustellen, damit man auch in Zukunft "ein weltweit führendes KI-Unternehmen" bleiben könne.
Kutylowski ist sich sicher, dass man kleinere Teams mit einem starken Fokus und klaren Zuständigkeiten brauche, um effektiv mit KI zu arbeiten, führt er aus.
"Das bedeutet weniger Hierarchieebenen, schnellere Entscheidungen und deutlich weniger Zeitaufwand für das Hin und Her, das große Teams ausbremst."
DeepL-Gründer Jarek Kutylowski will auf "eigenverantwortliche Teams" und KI setzen
Künftig wolle er daher auf "eigenverantwortliche Teams" setzen, in denen KI die Routineaufgaben übernimmt, "sodass sich Mitarbeiter auf das konzentrieren können, was nur Menschen leisten können - wie zum Beispiel unsere Intuition zu nutzen, neue kreative Ideen zu entwickeln und Projekte von Anfang bis Ende zu begleiten".
Diejenigen, die diesen schweren Weg einschlagen würden, würden dafür am Ende belohnt werden, ist sich der Unternehmer sicher: "Die Unternehmen, die dies als Erste erreichen, werden in einem völlig anderen Tempo agieren - unerreichbar für diejenigen, die nicht mitgezogen sind."
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das Unternehmen, das sich auf Übersetzungsdienste spezialisiert hat, verlassen werden, dankt Kutylowski: "Ich weiß, wie bedeutsam und schwierig dieser Moment für euch ist, und ich übernehme die Verantwortung für diese Entscheidung. Ihr habt mir geholfen, DeepL zu etwas Realem aufzubauen […], und das werde ich nicht vergessen. Eure Beiträge hier waren von großer Bedeutung und ich danke euch aufrichtig."
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