Großer Umweltskandal bei Shell-Raffinerie in Köln: Konzern verspricht Aufklärung

Köln - Nach dem Auslaufen von bis zu 390 Tonnen leichtem Gasöl ins Grundwasser auf dem Betriebsgelände der Shell-Raffinerie in Köln-Godorf will der Konzern den Umwelt-Skandal nach eigenen Angaben aufarbeiten.

Das Werk von Shell in Köln-Godorf.
Das Werk von Shell in Köln-Godorf.  © Shell Raffinerie Rheinland/pr

Shell will nach dem erneuten Umweltskandal jetzt auf "größtmögliche Transparenz" setzen, wie der Konzern mitteilte.

Deshalb lädt Shell am 23. September 2020 zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ins Werk nach Köln-Godorf ein.

"Wir wollen im direkten Austausch erklären, wie es zu dem Leck an der Leitung und der Grundwasserverunreinigung kommen konnte, wie wir den Schaden sanieren und welche Schritte wir darüber hinaus gehen, um unsere Prozesse zu verbessern. Und wir wollen zuhören", erklärte Raffineriedirektor Marco Richrath vorab.

Die Veranstaltung soll aufgrund der Corona-Regeln um 17 Uhr und um 19 Uhr zweifach stattfinden.

Eine Anmeldung unter rheinland-raffinerie@shell.com ist vorab notwendig.

Shell-Öl soll aus einem Mini-Loch geflossen sein

Nach Angaben von Shell sollen die bis zu 390 Tonnen leichtes Gasöl aus einem nur 1,5 Millimeter großen Loch in einer Leitung ausgelaufen sein. Ursache sollen Straßenbauarbeiten gewesen sein, bei denen die Leitung beschädigt wurde.

Um das Öl-Produkt aus dem Erdreich zu holen und eine weitere Verschmutzung des Trinkwassers zu stoppen, wurden zwei Brunnen errichtet. Hier wird das Wasser abgepumpt und der Grundwasserspiegel gesenkt. So entstehe ein Trichter im Erdreich, auf dem sich das Gasöl befinde. 

So soll das oberhalb des Wassers schwimmende Öl abgetragen werden können.

Die Bezirksregierung Köln hat inzwischen ein Sanierungskonzept mit Shell abgestimmt und zwei weitere Brunnen vorgeschrieben. So soll der Umweltskandal bei Shell im Kölner Erdreich möglicherweise schneller eingegrenzt werden.

Angaben zu einer Gefährdung der Kölner Bevölkerung machte Shell in der neuesten Mitteilung nicht.

Experten-Team gab Ratschläge

Shell hat nach eigenen Angaben den Sicherheits- und Störfallexperten Christian Jochum mit einer Analyse des neuesten Skandals bei Shell in Köln beauftragt. Der Experte hatte bereits 2014/2015 und 2018 Sicherheitsmanagement in den beiden Werken Godorf und Wesseling untersucht. 

Weil wieder ein großer Störfall vorliegt, hinterfragt Shell nun selbst seine Experten: "Wir werden nachdrücklich hinterfragen, ob unsere damaligen Empfehlungen richtig umgesetzt wurden und ob darüberhinausgehende Maßnahmen erforderlich sind", teilte der Experte vorab mit.

Nach einer Serie von Chemie-Unfällen bei der Shell Rheinland Raffinerie waren Gutachter im Jahr 2015 davon ausgegangen, dass es solche Vorfälle in der Größenordnung nicht mehr geben werde. Die Experten lagen falsch.

Andere Experten, die damals vom nordrhein-westfälische Umweltministerium beauftragt waren, hatten Shell erhebliche Anstrengungen bescheinigt. 

Die gravierendsten Folgen hatte 2012 ein Pipeline-Leck in Wesseling: Damals war über vier Wochen mehr als eine Million Liter Kerosin unbemerkt ins Erdreich gesickert.

Titelfoto: Shell Raffinerie Rheinland/pr

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