Kult-Zirkus "Roncalli" feiert Jubiläum: "Ort, wo Kleinkinder und Intellektuelle gemeinsam lachen können"

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Von Petra Albers, Jonas Reihl

Köln - Artisten fliegen durch die Luft, Clowns tröten schräge Melodien, bunte Kostüme entfalten sich zu riesigen Blumen - und über allem liegt ein Duft von Popcorn: Im Circus Roncalli kann das Publikum seit fast 50 Jahren in eine heile Welt entfliehen.

Am 18. Mai 1976 feierte der "Circus Roncalli" seine Weltpremiere in Bonn.
Am 18. Mai 1976 feierte der "Circus Roncalli" seine Weltpremiere in Bonn.  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Dies ist einer der wenigen Orte, wo Kleinkinder und Intellektuelle gemeinsam lachen können", sagt Direktor Bernhard Paul (78), der die Zuschauer in Köln begrüßt. Dort, an seinem Stammsitz, gastiert der Zirkus auch während seines Jubiläums am Montag.

"Ich kann mich noch an alles genau erinnern, jedes Detail, die Gesichter der Menschen, den Geruch von Sägemehl", schwärmt Paul in Gedanken an den 18. Mai 1976, als der Circus seine Uraufführung in Bonn feierte. "Es war unwirklich. Ich habe seit meiner Kindheit davon geträumt, Zirkus zu machen - und dann ist es tatsächlich passiert."

Alles sei erst auf den letzten Drücker fertig geworden - am Premierentag habe er noch den Kassenwagen gestrichen. "Ich hatte so viele Gefühle, die haben mich fast erschlagen."

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Als kleiner Junge sei er wegen seines Aussehens mit roten Haaren, Sommersprossen und Brille oft gehänselt worden, erzählt er. Ein Lichtblick sei es für ihn immer gewesen, wenn in seiner österreichischen Heimatstadt ein Zirkus Station machte. Die Zirkuskinder gingen für ein paar Tage mit ihm zur Schule. "Sie luden mich zu sich zum Essen ein, und der Vater saß als Clown geschminkt am Tisch. Ich habe mich auf einmal zu Hause gefühlt und wusste: Da gehöre ich eigentlich hin."

Darum stehen Clowns im Fokus des "Circus Roncalli"

Zirkusdirektor Bernhard Paul (78) hat ein großes Faible für Clowns - und brachte sein Publikum selbst jahrelang als "Zippo" zum Lachen. (Archivbild)
Zirkusdirektor Bernhard Paul (78) hat ein großes Faible für Clowns - und brachte sein Publikum selbst jahrelang als "Zippo" zum Lachen. (Archivbild)  © Horst Ossinger/dpa

Nach seinem Grafikdesign-Studium schmeißt Paul seinen Job als Art Director und setzt seinen Kindheitstraum um. Zusammen mit dem Multimedia-Künstler André Heller entwirft er ein neuartiges Konzept aus konventionellen Zirkus-Elementen, Poesie und absurdem Theater. Doch schon kurz nach dem verheißungsvollen Auftakt in Bonn trennen sich die beiden Macher im Streit.

Für Paul beginnt daraufhin eine längere Durststrecke, bis ihm der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger als Geldgeber zu Hilfe kommt. Mit der Premiere des Programms "Reise zum Regenbogen" gelingt Roncalli 1980 in Köln der Neustart.

Anders als viele Konkurrenten setzt Paul verstärkt auf Nostalgie und Romantik. Er verziert Zirkuswagen mit goldenen Schnörkeln, überlegt sich ein Lichtkonzept, verpasst den Artisten maßgeschneiderte Kostüme und stellt Orchestermusiker ein. Im Programm gibt es neben Action auch verträumte Elemente: So ist der Schweizer Pantomime Pic mit seiner "Seifenblasen-Poesie" jahrelang der Star des Zirkus.

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Anfangs gehören noch Löwen oder Tiger zum Programm. Doch schon in den 1990er Jahren schafft Roncalli Raubtiere und 2018 auch Pferde und Ponys ab. "Tiere im Zirkus - das war irgendwann aus der Zeit gefallen", meint Paul. "Es gab dauernd Proteste von Tierschützern, das war einfach nichts mehr."

Roncalli konzentriert sich seitdem noch stärker auf Artisten und natürlich Clowns. Diese bildeten von Anfang an einen Schwerpunkt - wohl auch, weil der Chef ein besonderes Faible dafür hat: "Ich wollte immer ein Clown sein", sagt Paul, der früher oft selbst als Clown "Zippo" auftrat. Der italienische Star-Clown Francesco Caroli spielte bis kurz vor seinem Tod mehrere Jahre bei Roncalli, Weißclown "Gensi" (Fulgenci Mestres) ist seit mehr als 20 Jahren dabei.

Pauls Tochter Lili Paul-Roncalli (28) steht ebenfalls im Zirkus auf der Bühne und soll in Zukunft in die Fußstapfen ihres Vaters treten.
Pauls Tochter Lili Paul-Roncalli (28) steht ebenfalls im Zirkus auf der Bühne und soll in Zukunft in die Fußstapfen ihres Vaters treten.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Bernhard Paul denkt noch nicht an Ruhestand

Aus dem Zirkus ist inzwischen längst ein großes Eventunternehmen mit mehreren Standbeinen geworden, etwa dem Düsseldorfer "Apollo"-Varieté. Roncalli veranstaltet Weihnachtsmärkte unter anderem in Hamburg und Hannover sowie Shows mit anderen Künstlern.

Zur Ruhe setzen will der umtriebige Paul sich absehbar nicht. "So lange ich klar denken kann und gesund bin, mache ich weiter", sagt er. Die Nachfolge ist gesichert: Seine drei Kinder Adrian, Vivian und Lili sind bereits mit im Geschäft und sollen irgendwann ganz in die großen Fußstapfen ihres Vaters treten.

Titelfoto: Bildmontage: Horst Ossinger/dpa, Rolf Vennenbernd/dpa

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