Abgesagter China-Gipfel beschert Leipzigs Polizei XXL-Führungsstab

Leipzig - Wegen des für September geplanten EU-China-Gipfels hat sich Sachsens Polizei in der Leipziger Direktion für über 7,2 Millionen Euro einen XXL-Führungsstab bauen lassen. Der Gipfel wurde allerdings längst abgesagt. Am heutigen Freitag war dennoch Einweihung der neuen Hightech-Zentrale, von der aus nun Einsätze bei Terror-Lagen, Geiselnahmen und Demonstrationen geführt werden sollen.

Alles im Blick: der vordere Teil des XXL-Führungsstabes mit der großen Videowand im Hintergrund.
Alles im Blick: der vordere Teil des XXL-Führungsstabes mit der großen Videowand im Hintergrund.  © Ralf Seegers

Es klingt schon etwas kurios: Seine "Feuertaufe“ soll der neue Führungsstab ausgerechnet am 12. September erleben, wenn die linke Szene in Leipzig gegen den EU-China-Gipfel demonstrieren will. Gegen ein Regierungstreffen, das gar nicht mehr stattfindet, weil es im Juni Corona-bedingt abgesagt wurde (TAG24 berichtete).

Die linksautonome Szene möchte sich trotzdem in Leipzig zum Protest treffen - und so werden dann im neuen, 195 Quadratmeter großen XXL-Führungsstab die unzähligen Monitore erstmals auf "scharf" gestellt.

Zur offiziellen Einweihung von Sachsens modernster Polizei-Zentrale, war eigens Innenminister Roland Wöller (50, CDU) angereist und pries die Maxi-Investition aus 5,74 Millionen Euro Bau- und 1,5 Millionen Ausstattungskosten als wegweisend. 

"Vor allem in Extremsituationen sind hier alle Instrumente vorhanden, um zügig die richtigen polizeilichen Entscheidungen treffen zu können", erklärte der Minister.

Der Gipfel ist weg, die neue Führunszentrale nun einsatzbereit: Darüber freuten sich gestern Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar, Innenminister Roland Wöller und Leipzigs Polizeichef Torsten Schultze (v.l.n.r.).
Der Gipfel ist weg, die neue Führunszentrale nun einsatzbereit: Darüber freuten sich gestern Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar, Innenminister Roland Wöller und Leipzigs Polizeichef Torsten Schultze (v.l.n.r.).  © Ralf Seegers

Geiselnahmen statt Gipfeltreffen

Das SEK rückt 2010 in Leipzigs Innenstadt zur H&M-Filiale vor, wo ein bewaffneter Geiselnehmer Angestellte und Kunden in seine Gewalt gebracht hat - solche Einsätze werden fortan aus der XXL-Zentrale geführt.
Das SEK rückt 2010 in Leipzigs Innenstadt zur H&M-Filiale vor, wo ein bewaffneter Geiselnehmer Angestellte und Kunden in seine Gewalt gebracht hat - solche Einsätze werden fortan aus der XXL-Zentrale geführt.  © Alexander Bley

Mangels staatspolitischer Großereignisse werden das nun vorrangig Demonstrationen, Terror- und Amoklagen sowie Geiselnahmen sein. 

In derlei Extremsituationen werden etwa sämtliche Bilder von den Polizeieinheiten am Boden, aus Hubschraubern und von TV-Stationen auf eine riesige Monitor-Wand projiziert. An den 54 Arbeitsplätzen können die Experten der einzelnen Polizeigewerke dann ihre Schlüsse aus dem Material ziehen und der Einsatzleitung Empfehlungen geben.

Für Verhandlungsgruppen, die etwa mit Geiselnehmern in Kontakt stehen, gibt es einen Extra-Raum, aus dem sämtliche relevanten Erkenntnisse sekundenschnell abrufbar sind.

In Sachsen hat im Übrigen jede Polizeidirektion ihren eigenen Führungsstab. Leipzig hat Dank des EU-China-Beinahegipfels nun aber den allergrößten. Der nächste, weit bescheidenere wird laut Wöller in Zwickau errichtet. 

Titelfoto: Ralf Seegers

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