Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter will Leipzigs neuer SPD-OB werden: "Ich bin nicht Burkhard Jung"

Von Andreas Tappert

Leipzig - Mit Dirk Panter (SPD) könnte zum ersten Mal ein Top-Banker Leipzigs Oberbürgermeister-Sessel erobern. Der heute 52-Jährige hat für JP Morgan in London und New York gearbeitet und die Sachsen-SPD saniert. Jetzt will er Leipzig aus der Krise führen.

Dirk Panter (52, SPD) möchte Leipzigs neuer Oberbürgermeister werden.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Dirk Panter gilt als ehrgeizig und hochintelligent - und dreht derzeit als Sachsens Wirtschaftsminister ein großes Rad. "Die Chance, Oberbürgermeister in Leipzig zu werden und die Geschichte dieser Stadt zu gestalten, reizt mich sehr", sagt der Vater von zwei Söhnen. "Ich bin vor 31 Jahren nach Leipzig gekommen und liebe diese Stadt."

Panter sieht gute Chancen, Leipzig als OB wieder nach vorn zu bringen. Derzeit seien Firmen aus Zukunftsbranchen wie der Biotechnologie, der Halbleiter-Industrie und der Raumfahrt deutschlandweit auf der Suche nach neuen Standorten.

"Wir sind ein aufstrebender Standort für Biotechnologie mit patentstarken Unternehmen", sagt er. "Wenn wir jetzt die Brücke zur Mikroelektronik in Dresden und dann zum Maschinenbau in Chemnitz schlagen, können wir Zukunftstechnologien ansiedeln - zum Beispiel auf unseren Flächen im Nordraum Leipzig."

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Auch Leipzigs Autofirmen will er schützen und eine konzertierte Aktion für bezahlbaren Wohnraum starten. "Wohnen wird Chefsache werden", kündigt er an. "Als OB werde ich jeden Stein umdrehen, damit wieder mehr Wohnungen entstehen."

An der Mietpreisbremse will er festhalten. "Solange der Markt so angespannt ist, brauchen wir sie." Festhalten will er auch an den Zielen, Leipzig CO2-neutral und unabhängig von den Wärmelieferungen aus dem Braunkohle-Kraftwerk Lippendorf zu machen. 

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Dirk Panter ist "kein Burkhard Jung" und will Kleinmesse-Umzug auf die Festwiese

Panter möchte, dass die Kleinmesse auf die Festwiese vor der Red Bull Arena umzieht.  © Picture Point/Roger Petzsche

"Jeder OB wird nach der Wahl einen Kassensturz machen müssen", glaubt er. Für ihn gelte dann "Pflicht vor Kür" - also eine Konzentration auf die wichtigsten Aufgaben der Stadt. "Die Zeit von Burkhard Jung als Oberbürgermeister war sehr erfolgreich. Aber jeder Mensch ist anders", so Panter. Er sagt deshalb auch: "Ich bin kein Burkhard Jung."

Auch dem Bund will er kräftig auf die Füße treten. "Fast drei Viertel des Leipziger Haushaltsdefizits beruhen auf gesetzlichen Leistungen, die auf Bundesebene beschlossen wurden", sagt Panter. Wenn der Bund diese nicht bezahle, müsse er wenigstens die Standards ändern. "Sonst geht dieses gesamte Land vor die Hunde."

Sein komplettes Wahl-Programm will er im November vorstellen. Zum Wald am Cottaweg, der für die Erweiterung von RB Leipzig gefällt werden könnte, hat er aber schon eine Meinung: Der Wald sollte stehen bleiben und stattdessen die Kleinmesse umziehen. "Mit der Festwiese hat Leipzig einen Festplatz", sagt Panter. Dorthin könne die Kleinmesse wechseln.

Frankreich, London, New York: Dirk Panter hat viel gesehen

Im Gespräch mit TAG24-Redakteur Andreas Tappert erläuterte Panter seine Visionen für Leipzig.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Hinter dem Wahl-Leipziger liegt eine bewegte Karriere. In Achern in Baden-Württemberg wuchs er als Sohn einer kleinen Unternehmerfamilie auf und hat als Kind den Osten entdeckt. "Ich war zweimal in der DDR zu Besuch", erzählt er. "Das war eine andere Welt. Seitdem war ich politisch interessiert."

Nach dem Abitur und Aufenthalten in den USA und Frankreich kam er 1995 nach Leipzig, studierte Verwaltungswissenschaften und trat 1997 in die SPD ein. Als ihn die amerikanische Investmentbank JP Morgan nach Frankfurt am Main zu einem Gespräch einlud, fuhr er hin.

Dem Gespräch folgte ein weiteres in London und Panter wurde Trainee bei JP Morgan. Dann arbeitete er als Investmentbanker zwei Jahre in der englischen Metropole und ein Dreivierteljahr in New York. "Ich habe damals manchmal unter dem Schreibtisch übernachtet, weil es nicht anders ging", erinnert er sich.

"Wenn wir in Deutschland aufstanden, schlief New York noch, und wenn wir schlafen gingen, begann in Tokio das Geschäft. Wenn ich für eine Präsentation die aktuellsten Daten brauchte, habe ich in der Firma übernachtet, am Morgen geduscht und ein neues Hemd angezogen. Entweder man macht den Job richtig oder gar nicht." Damals habe er gelernt, "agil" zu arbeiten.

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Leipziger OB-Anwärter Dirk Panter: "Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann!"

Der SPD-Politiker hat eine bewegte Karriere hinter sich, die im Februar ein weiteres Kapitel schreiben könnte.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

2006 bestand er die Prüfungen für das Zertifikat Chartered Financial Analyst, Level III (CFA). Panter hatte damit den Goldstandard für Banker und so eine Eintrittskarte in die oberen Etagen der Finanzwelt, doch er entschied sich freiwillig dagegen: Er kehrte zurück nach Leipzig und nahm ein Angebot der sächsischen SPD an. "Man muss seinem Herzen folgen", sagt er heute. Und: "Es war nie mein Lebenstraum, das Geld reicher Leute zu vermehren."

In der Messestadt wurde er im September 2006 Landesgeschäftsführer der SPD, die zu diesem Zeitpunkt notleidend war: kein Geld mehr in der Kasse, Schulden beim Bund und ein Defizit im Haushalt. "Die suchten jemanden, der aufräumt, aber mit Augenmaß." Panter schrumpfte den Personalbestand von 20 auf elf Leute und führte funktionierende Strukturen ein.

2007 wurde er Generalsekretär der sächsischen SPD und führte die Partei in den Landtagswahlkampf 2014, in dem sie mit 12,4 Prozent das bisher beste SPD-Ergebnis in Sachsen erzielte.

Anschließend wurde er im neuen Landtag SPD-Fraktionsvorsitzender und 2024 Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz. "Ich mache Dinge nur richtig oder gar nicht", meint er. "Und ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann."

Aktuell ist Panter sächsischer Wirtschaftsminister - und kämpft unter anderem für einen Erhalt des VW-Werks in Mosel bei Zwickau.  © Hendrik Schmidt/dpa

Trotz dieser Karriere in Dresden blieb er in Leipzig wohnen, pendelt mit dem Zug und dem Auto in die Landeshauptstadt. "Leipzig ist für mich eine Herzensangelegenheit", begründet er diesen Spagat. "Ich bin vor 31 Jahren in diese Stadt gekommen und habe auch in Dresden für sie gekämpft." Profitiert haben davon unter anderem Leipziger Schulen, die Hauptfeuerwache, das Alte Rathaus, das Schachzentrum, die Schaubühne Lindenfels, die NATO und die Rennbahn.

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