Mafia-Mord in Leipzig: Anwaltssohn (23) hingerichtet - Staatsanwalt stellt Verfahren ein

Leipzig - An diesem Fall bissen sich Sachsens Kriminalisten die Zähne aus: Mehr als achteinhalb Jahre nach dem Mafia-Mord an dem Anwaltssohn Diego M. (†23) in Leipzig haben die Behörden die Akten zugeklappt. Ein Verdächtiger konnte nie ermittelt werden.

Anwaltssohn Diego M. (†23).
Anwaltssohn Diego M. (†23).

Im Jahr 2013 tobte in Leipzig ein erbarmungsloser Drogenkrieg. Arabische Banden, mazedonisch-albanische Clans und deutsche Kriminelle kämpften um die Vorherrschaft auf dem Markt für Heroin, Marihuana und Kokain.

Offenbar war auch der Deutsch-Bolivianer Diego M. in diesem Business tätig.

Der Sohn eines kriminellen Anwalts, der zu dieser Zeit wegen Foltersex mit Kindern eine neuneinhalbjährige Haftstrafe absaß, wurde Pfingstsonntag 2013 in Leipzig-Leutzsch tot auf den Bahngleisen gefunden. Auf einem Parkplatz daneben stand der von ihm genutzte 5er BMW eines Autoverleihers.

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Das Spurenbild ließ auf eine regelrechte Hinrichtung schließen.

Offenbar hatte M. noch versucht, vor seinem Killer zu fliehen. Der brachte den Flüchtenden zuerst mit einem sogenannten Stoppschuss in den Oberschenkel zu Fall. Anschließend feuerte er zweimal in den Oberkörper des Todgeweihten und dann aus nächster Nähe in dessen Kopf.

"Wir haben keinen Ermittlungsansatz mehr"

Mit diesem BMW (kleines Foto) kam Diego M. zum Treffen mit seinem Mörder. Polizisten versuchen später, mit Fährtenhunden seinen genauen Weg nachzuzeichnen.
Mit diesem BMW (kleines Foto) kam Diego M. zum Treffen mit seinem Mörder. Polizisten versuchen später, mit Fährtenhunden seinen genauen Weg nachzuzeichnen.

Diego M. hatte keine Überlebenschance.

Die Ermittlungen ergaben recht schnell, dass der damalige Mitarbeiter einer Security-Firma bis über beide Ohren in Drogengeschäften steckte. Offenbar wurde dem Deutsch-Bolivianer mit luxemburgischen Pass ein geplatztes Geschäft über 40 Kilo Marihuana im Wert von damals 105.000 Euro zum Verhängnis.

Wie in einem Prozess gegen drei Kumpane des Opfers ein Jahr später ans Licht kam, soll die Drogenlieferung damals verschwunden sein, weshalb es zu massivem Ärger mit einem Mafiosi aus Dresden kam.

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Musste Diego M. deshalb sterben? "Das konnte nie ermittelt werden", räumte Staatsanwalt Andreas Ricken am Freitag ein.

Nach fast neun Jahren, unzähligen Zeugenvernehmungen und ausgewerteten Kommunikationsdaten sei nun alles ausgereizt. Selbst die ausgelobten 10.000 Euro Belohnung hätten keine verwertbaren Hinweise gebracht. "Wir haben keinen Ermittlungsansatz mehr", erklärte Ricken.

Das Verfahren werde deshalb eingestellt.

Ein Polizist betrachtet die an den Gleisen liegende Leiche des hingerichteten Deutsch-Bolivianers.
Ein Polizist betrachtet die an den Gleisen liegende Leiche des hingerichteten Deutsch-Bolivianers.

Allerdings: Da Mord nicht verjährt, kann es bei neuen Hinweisen jederzeit zu einer Wiederaufnahme kommen.

Titelfoto: Montage: privat + Polizei Leipzig

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