Brutale Hammer-Bande: Auch ohne Lina schlägt die linke "Kiez-Miliz" immer wieder zu

Leipzig - Für den Generalbundesanwalt war die ab Mittwoch vor der Staatsschutz-Kammer des Oberlandesgerichts stehende Lina E. (26) der Kopf der linksmilitanten Hammer-Bande. Doch die Verhaftung der Studentin Anfang November letzten Jahres besiegelte nicht das Ende der brutalen Stadt-Guerilla. Immer wieder schlug sie seitdem zu – zuletzt vergangene Woche.

Auf diesem Waldweg wurde am Dienstag vergangener Woche ein Mitarbeiter eines Bootsverleihs überfallen. Auch hier vermutet die Polizei die "Kiez-Miliz" als Täter.
Auf diesem Waldweg wurde am Dienstag vergangener Woche ein Mitarbeiter eines Bootsverleihs überfallen. Auch hier vermutet die Polizei die "Kiez-Miliz" als Täter.  © Alexander Bischoff

Der junge Gehilfe einer Leipziger Bootsvermietung war am Abend des 31. August auf dem Heimweg. Auf einem Waldweg vom Bootsverleih zur Koburger Straße wurde er von Vermummten vom Fahrrad gestoßen und mit Schlagwerkzeugen krankenhausreif geprügelt.

Zum Verhängnis wurde dem bis dato nicht polizeibekannten Opfer offenbar ein mitgeführtes Accessoire einer in rechten Kreisen beliebten Modemarke.

Der Staatsschutz ordnet auch diesen Angriff der Leipziger "Kiez-Miliz" zu, wie die Hammer-Bande und ihre linksmilitanten Ableger in Ermittlerkreisen genannt werden.

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Hiesigen Staatsschützern sind im Wesentlichen zwei Vorgehensweisen dieser klandestin agierenden Gruppen bekannt. Zum einen die eher spontanen "Melder-Fälle": "Späher der Kiez-Miliz machen anhand von Kleidungsmerkmalen oder Verhaltensweisen Menschen aus, die sie für rechts halten, und geben deren Standortdaten weiter", berichtet ein Staatsschützer.

Binnen kurzer Zeit tauchen dann Vermummte auf und schlagen die "gemeldeten" Personen zusammen.

Ein Polizeibeamter zeigt einen sichergestellten Teleskopschlagstock. Auch die Leipziger "Kiez-Miliz" nutzt solche Waffen.
Ein Polizeibeamter zeigt einen sichergestellten Teleskopschlagstock. Auch die Leipziger "Kiez-Miliz" nutzt solche Waffen.  © xcitepress/ce

Opfer werden teils wochenlang ausgespäht

Dem NPD-Nachwuchspolitiker Paul Rzehaczek (30), hier bei einer Kundgebung am 13. Februar in Dresden, zerdrosch die Hammer-Bande im März beide Beine.
Dem NPD-Nachwuchspolitiker Paul Rzehaczek (30), hier bei einer Kundgebung am 13. Februar in Dresden, zerdrosch die Hammer-Bande im März beide Beine.  © Eric Hofmann

Die Attacke am Bootsverleih ordnet der Staatsschutz den "Melder-Fällen" ebenso zu wie den Überfall Anfang Juli auf zwei norddeutsche Touristen, die sich in einem Lokal der Leipziger Südvorstadt homophob geäußert hatten und kurz darauf von Vermummten aus einem Taxi gezogen und zusammengeschlagen wurden.

Die zweite Fall-Konstellation nennen Staatsschützer "Prominenten-Fälle". "Hier sind die Opfer bekannte Personen aus der rechten Szene oder Politiker rechter Parteien, die oft wochenlang ausgespäht und dann in einer fast militärischen Weise in ihrem Lebensumfeld attackiert werden", erzählt der Ermittler im vertraulichen Gespräch mit TAG24.

Dabei tarnt sich die linke Guerilla auch schon mal als Polizei, wie beim Überfall auf den Bundesvorsitzenden der NPD-Jugendorganisation Junge Nationalisten, Paul Rzehaczek (30). Den suchte die "Kiez-Miliz" am 11. März daheim in Eilenburg auf und misshandelte ihn mit einem Hammer. An beiden Sprunggelenken schwer verletzt kam er in ein Krankenhaus.

Titelfoto: Bildmontage: xcitepress/ce, Alexander Bischoff

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