Schockanrufe! Jetzt zocken KI-Sprachklone die Opfer ab

Leipzig - Sie klingt wie die eigene Tochter, hat familiäres Wissen wie die eigene Tochter, ist aber nicht die eigene Tochter! Zum Tag der Internetsicherheit am Dienstag warnt die Verbraucherzentrale vor zunehmendem Trickbetrug mithilfe künstlicher Intelligenz (KI). Die kann menschliche Stimmen inzwischen so perfekt nachahmen, dass der Bot tatsächlich klingt wie die eigene Tochter.

Michèle Scherer ist Digitalexpertin der Verbraucherzentrale und warnt vor der neuen Trickbetrug-Masche.
Michèle Scherer ist Digitalexpertin der Verbraucherzentrale und warnt vor der neuen Trickbetrug-Masche.  © VZB

Es ist die KI-basierte "Perfektionierung" des Enkeltricks: Eine Sprachnachricht oder ein Anruf eines vermeintlich nahen Angehörigen täuscht eine Notsituation vor und setzt das Opfer unter Druck.

Zumeist geht es bei dem Schwindel um Kautionen zur Abwendung von U-Haft oder die kurzfristige Leihe von Geld. "Mithilfe von künstlicher Intelligenz sind Kriminelle mittlerweile in der Lage, eine vermeintlich vertraute Stimme zu erzeugen. Der eingesprochene Hilferuf am Telefon ist dadurch oftmals schwer als Fake-Anruf zu erkennen", sagt Michèle Scherer, Digitalexpertin bei der Verbraucherzentrale.

Für die Nachahmung einer Stimme reichen den Betrügern bereits kurze Sprachfragmente, die sie etwa aus sozialen Netzwerken oder gehackten WhatsApp-Chats kopieren. "Da reicht eine Sprachaufzeichnung von einer halben Minute aus, um über KI-Tools einen Stimmen-Klon zu erstellen", erklärt Digitalforensiker Dirk Labudde (59) von der Hochschule Mittweida.

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Dem Bioinformatik-Professor sind auch Fälle bekannt, wo Täter am Telefon zunächst Umfragen vorgaukeln und die Gespräche heimlich mitschneiden. Laut Labudde gibt es über 100.000 vortrainierte KI-Modelle, die solche Sprachfetzen zu sogenannten Deepfakes formen können.

Wenn Angehörige in Not geraten sind, sitzt die Geldkarte oft locker. Das nutzen Trickbetrüger gnadenlos aus. (Symbolfoto)
Wenn Angehörige in Not geraten sind, sitzt die Geldkarte oft locker. Das nutzen Trickbetrüger gnadenlos aus. (Symbolfoto)  © Bildmontage/123rf/

Verbraucherschützerin: Gespräch abbrechen und Person selbst anrufen

Nur eine halbe Minute Sprachaufzeichnung reicht, um einen nahezu perfekten Stimmen-Klon eines Menschen zu erstellen, weiß Digitalforensiker Dirk Labudde (59) von der Hochschule Mittweida.
Nur eine halbe Minute Sprachaufzeichnung reicht, um einen nahezu perfekten Stimmen-Klon eines Menschen zu erstellen, weiß Digitalforensiker Dirk Labudde (59) von der Hochschule Mittweida.  © Sven Gleisberg

Inzwischen könne nicht mehr nur von Enkeltrick gesprochen werden, da alle Altersklassen Ziel solcher Schockanrufe werden, weiß Verbraucherschützerin Scherer.

Und rät: "Das Wichtigste ist, in einer solchen Situation ruhig zu bleiben und sich nicht zu überstürzten Entscheidungen drängen zu lassen oder sensible Informationen preiszugeben. Selbst wenn das unter Stress nicht leichtfällt und der oder die Anrufende großen Druck ausübt."

Im Zweifel sollten Betroffene das Gespräch abbrechen und die angebliche Person direkt unter einer bekannten Nummer zurückrufen. So lässt sich prüfen, ob tatsächlich eine Notlage besteht. Scherer: "Hilfreich kann es außerdem sein, gezielte Fragen zu stellen, die nur die echte Person beantworten kann."

Titelfoto: Bildmontage/123rf/

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