Leipzig - Auf den Leipziger Flughafen ist ein Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne verübt worden. Der Sprengsatz kam glücklicherweise nicht zur Detonation. Ziel der Attacke war offenbar die hier stationierte ukrainische Werksfluggesellschaft Antonov. Eine zweite Drohne rammte einen DHL-Flieger in der Luft.
Der Wahnsinn begann gegen 23.40 Uhr, als das Drohnen-Warnsystem des Flughafens zwei unbekannte Flugobjekte erfasste. Eine Drohne glitt in geringer Höhe über das Vorfeld der Südstartbahn in Richtung der Antonov-Basis.
Ein Flughafenmitarbeiter, der mit seinem Bus dort unterwegs war, bemerkte das Flugobjekt und holte es mit bloßen Händen vom Himmel, bevor es die Frachtmaschinen vom Typ AN-124 der Ukrainer erreichte.
Als der Mann das Objekt am Boden betrachtete, fuhr ihm der Schreck in die Glieder. An einem Ausleger war ein Sprengsatz mit Zünder befestigt, der bei der Aktion glücklicherweise nicht auslöste.
Die Flugleitung sperrte sofort den Airport, anfliegende Maschinen wurden umgeleitet - darunter eine verspätete Passagiermaschine aus Palma, die nach Nürnberg ausweichen musste. Ein DHL-Flieger aus Marseille musste durchstarten. Kurz darauf prallte die Maschine in der Luft gegen ein unbekanntes Objekt, vermutlich die zweite Drohne.
Am Boden inspizierten inzwischen Bundespolizisten den brisanten Fund und bestätigten den Verdacht, dass es sich um einen Sprengsatz handelt. Experten der USBV-Einheit (Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung) der Bundespolizei rückten in einem Spezialfahrzeug an, röntgten den Sprengsatz und entschärften ihn dann mithilfe eines Bombenroboters.
Drohne und Sprengladung wurden anschließend in Spezialbehältern zur Spurenauswertung in ein Labor gebracht.
Antonov transportiert von Leipzig aus auch Kriegsgerät des westlichen Verteidigungsbündnisses
Der Flugbetrieb in Leipzig kam zwischen Mitternacht und 1.55 Uhr komplett zum Erliegen, was zahlreiche Frachtflugzeuge zum Ausweichen auf andere Landeplätze zwang.
Die von der zweiten Drohne getroffene und nur leicht beschädigte DHL-Maschine landete in Hannover, wo Kriminaltechniker und Luftfahrtermittler die Spuren des Einschlages analysierten.
Die Ermittlungen zum Drohnen-Angriff auf den Leipziger Flughafen haben Sachsens Generalstaatsanwaltschaft und das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) im Landeskriminalamt übernommen. Auch Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz sind involviert.
Eingestuft wurde der Vorfall als gezielter Angriff auf sensible Infrastruktur.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) unterbrach seinen Urlaub und flog am Nachmittag nach Leipzig, wo er sich mit Bundespolizei-Präsident Dieter Romann (64), Verfassungsschutz-Chef Sinan Selen (54), dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (65, CDU) und örtlichen Ermittlern zu einer Lagebesprechung traf.
Auch Vertreter der NATO schalteten sich ein. Hintergrund: Antonov transportiert von Leipzig aus auch Kriegsgerät des westlichen Verteidigungsbündnisses in alle Welt. Bis zum Abend gab es noch keine Hinweise auf die Drohnenpiloten und mögliche Hintermänner.