Diebstahl im Paketzentrum: Wie ein verschwundenes Handy einen Serientäter überführte

Leipzig - Immer wieder gehen Pakete auf dem Zustellweg verloren. Was für viele ein Unglück ist, kann sich durchaus auch als Verbrechen herausstellen. Bei der sächsischen Polizei wurde extra eine Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen, um im Fall von verloren gegangenen Paketen Nachforschungen anzustellen. Ein verschwundenes Mobiltelefon brachte so einen Mehrfachtäter hinter Gitter.

Tausende Sendungen laufen Tag für Tag durch Deutschlands Paketzentren. In Leipzig hat ein 50-Jähriger einen solchen Ort für gleich mehrere Verbrechen gewählt. (Symbolbild)
Tausende Sendungen laufen Tag für Tag durch Deutschlands Paketzentren. In Leipzig hat ein 50-Jähriger einen solchen Ort für gleich mehrere Verbrechen gewählt. (Symbolbild)  © Rolf Vennenbernd/dpa

Leipzig, im Frühjahr 2020. Corona hat Deutschland erreicht, die Bundesrepublik erlebt den ersten Lockdown. Menschen harren zu Hause aus, vertreiben sich mit Netflix und Online-Shopping die Zeit. Lieferdienste und die Deutsche Post schieben Überstunden.

Zwischen all dem Trubel kommt in einem Paketzentrum im Leipziger Norden ein bestelltes Mobiltelefon abhanden. Elektrohändler Saturn zahlt die Kaufsumme zurück. Zur selben Zeit stellt sich heraus: Das Handy wurde gestohlen.

Bereits ein Jahr zuvor, im Frühjahr 2019, wurde bei der sächsischen Polizei eine spezielle Ermittlungsgruppe im Zusammenhang mit in Verlust geratenen Paketen ins Leben gerufen. Die sogenannte "EG-Paket" ermittelte auch im Fall des gestohlenen Telefons, konnte dieses schließlich über den Hersteller bei einem Mann lokalisieren, der sich jedoch nur als Käufer des Geräts herausstellte. "Dieser konnte glaubhaft angeben, dass er das Telefon in Leipzig gekauft hatte", erklärte Polizeihauptkommissar Daniel Köhler von der "EG-Paket" gegenüber TAG24.

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Die Suche sollte damit jedoch nicht ihr Ende finden, im Gegenteil. "Die nachfolgenden Ermittlungen führten uns dann zum Täter. Wir konnten nach umfangreichen polizeilichen Maßnahmen einen Beschuldigten bekannt machen und diesen auch auf frischer Tat am 4. Mai 2020 am Arbeitsplatz stellen."

Bereits 2500 Verfahren abgeschlossen

Mitte des Jahres wurde dem Mann schließlich der Prozess gemacht. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 10.000 Euro inklusive einer Schadensersatzleistung. (Symbolbild)
Mitte des Jahres wurde dem Mann schließlich der Prozess gemacht. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 10.000 Euro inklusive einer Schadensersatzleistung. (Symbolbild)  © fusssergei/123RF

Bei nachfolgenden Durchsuchungen fanden die Ermittler zahlreiches Diebesgut, Waren aus Paketsendungen, wie weitere Mobiltelefone, Kosmetik und sogar einen Minitresor.

"Außerdem konnten in einem Mülleimer in seiner Wohnung einzelne Sendungslabelreste gefunden werden, welche letztlich in Puzzlearbeit in Verlust geratenen Paketsendungen zugeordnet werden konnten."

Bei dem Beschuldigten handelte es sich um einen heute 50-jährigen Iraker. Der Mann war zur Zeit seines verbrecherischen Treibens als Innendienstmitarbeiter in dem Paketzentrum tätig, dort für die Verladung der Post zuständig.

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Knapp 20 Diebstähle konnten dem 50-Jährigen schließlich nachgewiesen und zur Last gelegt werden. "Außerdem bestand in weiteren vier Fällen der Verdacht des versuchten Diebstahls in Form von Aufreißen und Beschädigen von Paketen, um nach den Inhalten zu sehen."

Mitte dieses Jahres wurde der Mann zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 10.000 Euro inklusive einer Schadensersatzleistung verurteilt.

Wie Hauptkommissar Köhler weiter erklärte, standen die Taten des 50-Jährigen nicht im Zusammenhang mit dem Pandemiegeschehen. "Die Ermittlungen begannen bereits im Dezember 2019 mit den ersten Auffälligkeiten. Es kam vermehrt zu Paketsendungsverlusten, die zuletzt in einem Paketzentrum im Norden von Leipzig gescannt wurden."

Seit ihrer Gründung im Jahr 2019 habe die "EG-Paket" Köhler zufolge über 2500 Verfahren bearbeitet und abgeschlossen, "davon mehrere Sammelverfahren, unter anderem ein Komplex zu einem Täter mit über 120 Einzelverfahren".

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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