Kriminologe zu Leipziger Amokfahrt: Warum Täter häufiger Autos als Waffe nutzen

Leipzig/Dresden - Die tragischen Ereignisse am frühen Montagabend in Leipzig sorgen weiterhin für Betroffenheit und werfen viele Fragen auf. Auch die Sendung "Fakt ist! Aus Dresden" nahm sich des Themas nun an und sprach mit Expertinnen und Experten über die Hintergründe. Dabei stellte sich auch die Frage, warum Amok-Täter heute immer häufiger auf das Auto als Waffe setzen.

Das Auto, mit dem Amokfahrer Jeffrey K. (33) am Montag in Leipzig Menschen tötete. Dass derartige Täter zunehmend auf Fahrzeuge als Waffen setzen, hat laut Kriminologe Manuel Heinemann mehrere Gründe.  © DPA

Um dies zu beantworten, war Kriminologe Manuel Heinemann zu Gast in der Talkshow. Dieser beschäftigt sich laut "Fakt ist!"-Moderator Andreas F. Rook (60) seit Jahren mit derartigen Bedrohungslagen und war am Montag zufällig in Leipzig bei einer Tagung.

Die tragischen Momente in der Innenstadt habe er zunächst jedoch nicht mitbekommen. "Ich bin dann informiert worden von meiner Co-Dozentin, dass eben eine Amoklage in Leipzig ist, tatsächlich nur 500 Meter entfernt. Das war dann ein durchaus sehr gespenstisches Gefühl, so nah dran zu sein, was ich sonst natürlich nicht bin."

Grundsätzlich sei das Phänomen einer Amok-Tat nicht neu, bemerkte der Kriminologe. "Das ist ein Phänomen, über das damals mit Robert Steinhäuser in Erfurt sehr stark berichtet wurde und das dadurch in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist. Was sich verändert hat, ist das Tatmittel. Dass ein Fahrzeug als Waffe verwendet wird, das ist ein Novum."

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Mit seinem Auto war der 33-jährige Jeffrey K. am Montag mit teils hoher Geschwindigkeit durch die Menschenmenge in der Leipziger Innenstadt gefahren. Zwei Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf von der Polizei gestellt und befindet sich inzwischen in einer psychiatrischen Einrichtung.

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Auto als Waffe: "Kann mit relativ wenig Aufwand massiven Schaden verursachen"

Bei "Fakt ist!" sprach Moderator Andreas F. Rook (60) mit dem Kriminologen über das Phänomen.  © MDR/Marco Prosch

Wie Moderator Andreas F. Rook während der Sendung bemerkte, habe es allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als zehn Fälle von Amokfahrten in Deutschland gegeben.

Dass die Täter dabei immer häufiger auf das Auto als Waffe setzen, habe Heinemann zufolge mehrere Gründe. "Das Auto ist ein gewöhnlicher Gegenstand. Die meisten Menschen haben ein Auto und das ist erstmal keine deklarierte Waffe, sondern ein Gebrauchsgegenstand."

Ein Auto sei unauffällig und lasse sich leicht beschaffen. Gleichzeitig hätten Täter damit eine massive Schadwirkung. "Ein Auto ist ein großer Gegenstand, hat viel Energie. Und so kann ich mit relativ wenig Aufwand massiven Schaden verursachen."

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Nach der Amokfahrt am Montag hat Leipzig inzwischen sogenannte Oktablöcke aufgestellt, um die Zufahrt zur Innenstadt damit zu versperren. Inzwischen ist eine Diskussion um die Sicherung des Areals entbrannt. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) hatte dazu am Mittwoch noch erklärt, dass wir unsere Städte nicht zu Festungen umbauen können.

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