"Karte hing noch am Kalender": Leipziger Tatortreiniger veröffentlicht rührendes Video auf Instagram

Leipzig - Der Leipziger Tatortreiniger Thomas Kundt (43) bekommt in seinem Berufsleben so einiges zu sehen, was für "normale" Menschen wohl schwer zu verkraften ist. Auch vor den Weihnachtsfeiertagen und zwischen den Jahren macht der Tod keinen Halt - jüngst berichtete der Sachse von einem Arbeitstag, der ihn wohl noch lange beschäftigen wird.

Einer seiner jüngsten Einsätze wühlte den Leipziger Tatortreiniger Thomas Kundt besonders auf.
Einer seiner jüngsten Einsätze wühlte den Leipziger Tatortreiniger Thomas Kundt besonders auf.  © Screenshot Instagram/einechtertatortreiniger

Aus seinem Dienstwagen heraus nahm der Tatortreiniger ein kleines Video auf, welches er auf seinem Instagram-Account teilte.

"Fälle wie diesen haben wir jedes Jahr und es wühlt mich immer wieder auf. Hier ist ein Mensch verstorben, der lag mehrere Wochen in der Wohnung und sein Ableben wurde erst jetzt entdeckt und zwar weil seine Weihnachtspost zurückgekommen ist", berichtete Thomas Kundt.

Die Angehörigen des Toten hatten sich gewundert, warum die Post zurückgesendet wurde, hatten erfolglos versucht, den Empfänger zu erreichen und schließlich die Polizei informiert. Diese entdeckte dann den stark verwesten Leichnam des Menschen. Wie kann so etwas passieren?

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"Wir verschicken Weihnachtspost, wir spenden in der letzten Woche des Jahres, entweder, weil wir wirklich was Gutes tun wollen oder weil wir das gute Gefühl haben wollen, etwas getan zu haben", überlegte der Desinfektor.

In allen übrigen 50 Wochen des Jahres fließe der Alltag aber so dahin und man verliere den Kontakt zu seinen Mitmenschen.

Neujahrsvorsatz: Mehr auf unsere Mitmenschen achten!

Thomas Kundt ist als Tatortreiniger und Desinfektor tätig, hat aber auch einen Podcast und ein Buch geschrieben.
Thomas Kundt ist als Tatortreiniger und Desinfektor tätig, hat aber auch einen Podcast und ein Buch geschrieben.  © Alexander Bischoff

"Es war verrückt: Die Weihnachtskarte des Verstorbenen aus dem vergangenen Jahr hing immer noch an seinem Kalender - dieser Mensch hat sich darüber gefreut, aber es war die einzige Karte seiner Angehörigen", so Kundt gerührt.

"Ich mache da keinem einen Vorwurf, ich ertappe mich ja selber dabei, aber wir leben eben in einer schnelllebigen Zeit und sollten uns alle vornehmen, mehr auf unsere Mitmenschen zu achten", schlägt der Leipziger vor.

Das könnte bedeutet, der der alten Dame aus dem Haus den Müll runterzubringen oder ihr ein Lächeln zu schenken - schließlich könnte dies der einzige soziale Kontakt sein, den man als älterer Mensch noch hat. "Man kann nicht alle retten, viele sind krank oder isolieren sich mit Absicht. Aber ein bisschen mehr Miteinander würde schon helfen", hofft Thomas Kundt.

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Ein Schicksal, was wohl jeden berührt - und welches mit ein bisschen mehr Mitgefühl und Wärme hätte verhindert werden können!

In seinem Job als Tatortreiniger ist Kundt häufiger mit Fällen wie diesem, aber auch Kriminalgeschichten oder Messie-Wohnungen beschäftigt. Darüber erzählt er auf Instagram, aber auch in einem Buch und einem Podcast.

Titelfoto: Screenshot Instagram/einechtertatortreiniger

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