Max Raabe und das Palast Orchester verzaubern Leipzig, doch die Anreise hat es in sich
Leipzig - Am Samstagabend spielte Max Raabe (63) in Leipzig groß auf. Mitgebracht hatte der 63-Jährige neben seinem Smoking samt Fliege natürlich auch das fantastische Palast Orchester. Mit einer unvergleichlichen Mischung aus Präzision, Eleganz und verzückender Unterhaltung führten die Künstler durch einen rundum gelungenen Abend.
Doch zunächst mussten die Besucher und Besucherinnen bei Temperaturen um -6 Grad den Weg zur Quarterback Immobilien Arena bewältigen, der bei gefrierendem Regen teils zur reinen Rutschpartie wurde.
Viele entschlossen sich daher, mit der Straßenbahn anzureisen, nur wenige Plätze in der Arena blieben zu Konzertbeginn unbesetzt.
Zu hören gab es dann vor allem deutschsprachige Schlager und Chansons, im Stil der 1920er und 1930er Jahre.
Neben musikalischen Klassikern wie "Fahrrad fahr'n", "In meiner Badewanne bin ich Kapitän" und "Vivere", brillierte der 1962 in Lünen (Nordrhein-Westfalen) geborene Sänger mit wenigen, dafür jedoch unterhaltsamen und pointierten Moderationen.
Charisma, Eleganz und Ironie
"Leben, das ist der Zustand, der eintritt, sobald das WLAN ausfällt", sagte Raabe etwa, als er "Vivere" (zu Deutsch: leben) anmoderierte, und sorgte damit für reichlich Gelächter im Publikum. "Kein Internet. Da nimmt man seine Umgebung mal ganz anders wahr. Lernt interessante Leute kennen. Unter Umständen auch die, mit denen man seit Jahren verheiratet ist."
Ernste Töne fand man hingegen lediglich zwischen den Zeilen. So spielten Raabe und das Orchester immer wieder Stücke von Komponisten aus den 20er und 30er Jahren, die später vor den Nazis hatten fliehen müssen.
Als Beispiel sei hier etwa "Wenn ich Liebe brauche, geh ich zu Pauline", des 1888 in Lemberg geborenen Komponisten und Geigers Marek Weber genannt.
Insgesamt ließen Max Raabe und das 1986 von ihm mitbegründete Berliner Palast Orchester mit ihrem an diesem stürmischen Abend präsentierten Konzertprogramm jedoch kaum einen Wunsch offen. Besonders Melodie und Text von "Hummeln streicheln" dürften so manche Leipziger auf dem Weg nach Hause begleitet haben.
Titelfoto: Silvio Bürger

