Michaels Tochter nach traumatischer Amputation: "Papa hat doch noch ein Bein - ein langes und ein kurzes"

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Leipzig/Altenburg - Im August 2023 hat sich das Leben von Michael Potschek (46) aus Altenburg auf einen Schlag verändert. Die Ärzte entdeckten in seinem Schienbein einen seltenen, bösartigen Krebs. Nach mehreren Operationen und Momenten der Hoffnung, musste sein Unterschenkel amputiert werden. Wenige Monate später nimmt er an Langstreckenradrennen teil und das, obwohl der Thüringer vorher nie Rennrad gefahren ist. TAG24 hat den beeindruckenden Sportler getroffen.

Einen Lieblingssee hat Michael Potschek (46) nicht. Die Strecken rund um das Leipziger Neuseenland eignen sich alle gut.
Einen Lieblingssee hat Michael Potschek (46) nicht. Die Strecken rund um das Leipziger Neuseenland eignen sich alle gut.  © Lutz Brose

Zuerst dachten Ärzte, dass der 46-Jährige nur einen verkapselten Bluterguss am Bein hatte. Am Ende stellte es sich aber als sogenanntes undifferenziertes pleomorphes Sarkom (UPS) heraus.

"Das hat alles komplett umgekrempelt", sagt Potschek. Ein Albtraum für den Kraftsportler. "Ich habe das Bein hassen gelernt", erinnert er sich.

Stärke in der schwierigen Zeit hat ihm auch seine Tochter gegeben, die aber pragmatisch reagierte und nur sagte: "Papa hat doch noch ein Bein. Ein langes und ein kurzes." Ein besonderer Moment für den Altenburger.

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Im August 2025, kurz nach der Amputation, hatte ein Freund aus dem Altenburger Fahrradladen CubeStore, die Idee, eine Radtour zu machen. Was als spaßige Idee begann, entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft.

Seit März 2026 trainiert er auf der langen Distanz, nimmt seit diesem Sommer an Langstreckenrennen, wie den "PYÜR neuseen classics" in Leipzig teil. "An Radrennen hätte ich nie gedacht", schmunzelt der Sportler im Interview mit TAG24.

Michael Potschek will Mut machen: "Mit einer Amputation ist das Leben ja nicht vorbei"

"Ich höre auf meinen Körper", erklärte Potschek. Solange alles funktioniert und sich gut anfühlt, wird er weiterfahren.
"Ich höre auf meinen Körper", erklärte Potschek. Solange alles funktioniert und sich gut anfühlt, wird er weiterfahren.  © Lutz Brose

Dabei benutzt der Thüringer ein handelsübliches Carbon-Fahrrad. Natürlich muss er mit seiner Prothese einige Dinge beachten und zu regelmäßigen Kontrollen, aber ansonsten unterscheidet ihn nichts von den anderen Teilnehmern. "Alles ist möglich, nur halt etwas anders", erklärt er.

Dass Michael Potschek nicht einmal ein Jahr nach der Amputation auf dem Rad sitzt und lange Strecken fährt, überrascht selbst die Ärzte, aber vermutlich ist es auch seine enorme Willenskraft, die ihn antreibt.

"Es gibt keine Probleme. Es gibt nur Herausforderungen und die sind lösbar", ist nur eines seiner Lebensmottos.

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Er weiß, dass man nach der Diagnose in ein Loch fällt. Deswegen engagiert er sich in der "Sarkom-Selbsthilfegruppe Mitteldeutschland". Die fast 30 Mitglieder treffen sich regelmäßig und wollen sich selbst und anderen Betroffenen Mut machen. "Mit einer Amputation ist das Leben ja nicht vorbei", fügt er an.

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Der 46-Jährige hat Ziele für die Zukunft

Bei den Radrennen geht es ihm nicht um die Zeit. Es geht vor allem um die Bewegung an sich und dem Wettkampf zusammen mit einer Gruppe.
Bei den Radrennen geht es ihm nicht um die Zeit. Es geht vor allem um die Bewegung an sich und dem Wettkampf zusammen mit einer Gruppe.  © Lutz Brose

"Stagnation ist das Schlimmste", so Potschek. Die Betroffenen kommen aus allen Altersklassen und haben unterschiedliche Vorgeschichten.

Einige würden sich für ihre Erkrankung und Prothesen schämen und sich verstecken.

Dafür gibt es laut Potschek aber keinen Grund. "Ja, da ist eine Einschränkung, aber keine Behinderung", resümiert er.

Im Monat legt er circa 700 bis 800 Kilometer mit dem Rad zurück. In Zukunft würde er gern Bergradrennen ausprobieren und wenn es zeitlich passt an der Berliner Sarkomtour teilnehmen, einer Benefiz-Radveranstaltung.

Titelfoto: Bildmontage: Lutz Brose

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