Sexueller Übergriff oder "rüpelhaftes Verhalten"? Bachfest-Dirigent erneut im Fokus
Von André Jahnke und Nico Zeißler
Leipzig - Wegen eines Vorfalls vor Publikum beim Bachfest in Leipzig sind Vorwürfe gegen einen Dirigenten erhoben worden.
In einer Stellungnahme spricht das ausrichtende Bach-Archiv von einem "grenzüberschreitenden Verhalten eines Dirigenten gegenüber einer Mitarbeiterin unseres Veranstaltungsteams".
Der Vorfall sei sehr ärgerlich und die Mitarbeiterin werde unterstützt, sagte der Intendant des Bachfestes, Michael Maul, der Deutschen Presse-Agentur. "Ich sehe darin aber ein rüpelhaftes Verhalten des Dirigenten. Er hat wohl in dem Moment nicht überblickt, dass die Mitarbeiterin auf ihn zukam, um sich zu bedanken."
Die Frau hat demnach dem Dirigenten Sir John Eliot Gardiner (83) direkt nach dem Konzert als Dankeschön eine Schriftrolle überreichen wollen.
Der Dirigent habe die Rolle genommen und der Frau an ihre Halskette oder in den Ausschnitt ihres T-Shirts stecken wollen.
Nicht der erste Vorfall um Sir John Eliot Gardiner
Der Polizei liegt eine Strafanzeige der Mitarbeiterin vor, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte.
Es habe ein Gespräch gegeben, bei dem der Dirigent sein Fehlverhalten eingeräumt und sich entschuldigt habe, erläuterte Maul. Den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs wies der Musiker aber zurück.
Gardiner gerät nicht zum ersten Mal negativ in die Schlagzeilen. 2023 soll er einen Solisten geohrfeigt haben, woraufhin Maul ihm eine Einladung für das nächste Bachfest verwehrte. Nun war Gardiner wieder dabei. Und leistete sich in seiner angeblichen "Verwirrung" den nächsten Fehler.
Titelfoto: Jonas Walzberg/dpa
