Nach Jahren der Kritik: Leiter der Gedenkstätte "Runde Ecke" entlassen
Leipzig - Nach Jahren der Kritik an der Dauerausstellung der Gedenkstätte "Runde Ecke" nimmt das Stasi-Museum in Leipzig weitere Veränderungen vor. Der bisherige Museumsleiter Tobias Hollitzer wurde gekündigt. Wie TAG24 erfuhr, werde derweil an einem neuen Konzept für die Ausstellung gearbeitet.
Die Personalie bestätigte Tobias Ulbricht, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins Bürgerkomitee Leipzig, gegenüber TAG24.
Warum Hollitzer, der bereits im Frühjahr als Geschäftsführer und Vereinsvorstand abgelöst wurde, nun auch den Posten als Leiter der Gedenkstätte verlor, dazu machte Ulbricht keine Angaben. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns diesbezüglich nicht in der Öffentlichkeit äußern."
Der Gedenkstättenbetrieb sei gesichert. Den Posten der Geschäftsführung hatte bereits Ingo Sasama, Mitbegründer des Neuen Forums und langjähriger Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Leipziger Stadtrat, übernommen. Die Aufgabe der Gedenkstättenleitung übernehme kommissarisch der Vorstand.
Ulbricht zufolge obliegt dem Vorstand nun auch die inhaltliche Weiterentwicklung der Gedenkstätte.
"Wir werden unsere Ausstellung mit dem Ziel der Fertigstellung 2029 überarbeiten. Die Ausstellung soll an die aktuellen Standards angepasst werden, jedoch ohne ihren Charakter zu verlieren", erklärte der Vorstandsvorsitzende.
Kritik an Dauerausstellung: Leipzig stellte Förderung ein
Ziel sei es, so teilte Ulbricht mit, eine Brücke zu bauen zwischen dem, was die Bürgerrechtler Anfang der 1990er Jahre zeigen wollten und den Bedürfnissen heutiger Besucher. "Das Modernisierungskonzept soll in den nächsten Wochen und Monaten zusammen mit den Vereinsmitgliedern und externen Experten vorbereitet werden."
Hollitzer stand seit Jahren in der Kritik, weil er weiterhin an der bestehenden Dauerausstellung des Museums "Runde Ecke" festhielt. Sowohl Experten als auch Geldgeber hatten diese als nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Die Ausstellung ist seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1990 beinahe unverändert.
Zwischenzeitlich führte die Kritik sogar dazu, dass die Stadt Leipzig ihre finanzielle Förderung für den Trägerverein einstellte. Einem Bericht des MDR zufolge seien die Fördermittel inzwischen wieder freigegeben.
Dem Bericht zufolge habe Hollitzer bereits signalisiert, juristisch gegen die Kündigung vorzugehen.
Titelfoto: Montage: Ralf Seegers + Hendrik Schmidt/dpa

