Produktion von Mittelstreckenwaffen in Leipzig? Hier könnte die neue Fabrik entstehen
Leipzig - Im Norden der Stadt Leipzig wird offenbar ab dem kommenden Jahr schwere Kriegstechnik produziert. Das US-Rüstungsunternehmen Covenant Industries plant nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters eine Fabrik zur Herstellung von Marschflugkörpern. Sachsens Staatsregierung hält die brisante Ansiedlung bislang unter Verschluss. In Leipzig regt sich bereits Widerstand.
Covenant Industries ist ein Start-up der Rüstungsbranche, das erst im Jahr 2024 gegründet wurde. Mit seinen "Anthem"-Marschflugkörpern (Reichweite 1500 km), die Anfang August in Marokko ihre erste praktische Erprobung hatten, will das Unternehmen den Markt für Mittelstreckenwaffen aufmischen und eine "preiswerte" Alternative zu den teuren "Tomahawks" bieten. Als einer der potenziellen Hauptabnehmer des Waffensystems ist die Bundeswehr im Gespräch.
Wie Reuters nun mit Verweis auf "mit der Angelegenheit vertraute Personen" berichtet, soll eine Fertigungsstätte für die "Anthem"-Marschflugkörper im Raum Leipzig angesiedelt werden. Auf schriftliche Anfrage von TAG24, was konkret geplant ist, gab es von Covenant Industries keine Antwort.
Was ist über die Rüstungspläne bekannt, wie weit sind die Verhandlungen, bekommen die Amis für die Ansiedlung sächsische Fördermittel? All das wollte TAG24 von der Staatsregierung wissen. Vergeblich.
Während die Staatskanzlei von Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) gar nicht antwortete, erklärte das Ministerium von Wirtschaftsminister Dirk Panter (52, SPD), dass man auf "Medienspekulationen oder Mutmaßungen zu möglichen Investitionen" nicht reagiere.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Leipzig & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Rüstungsfabrik soll nahe BMW-Werk in eine Industriehalle ziehen
Die Intransparenz soll offenbar die Brisanz verdecken, die eine solche Rüstungsansiedlung hat. Wie TAG24 aus nachgeordneten Behördenkreisen erfuhr, soll die Raketenfabrik im Norden Leipzigs nahe dem BMW-Werk entstehen.
Der Bebauungsplan schließt dort allerdings die Ansiedlung von Rüstungsbetrieben und "Betrieben mit besonderem Gefahrenpotenzial" aus.
Für die Ansiedlung sollen sich Vertreter der US-Firma und sächsischer Behörden deshalb auf einen Trick verständigt haben. Zwar sollen im Leipziger Norden die wichtigsten Komponenten der Marschflugkörper gebaut und montiert werden - die Treibladungen werden jedoch anderenorts ergänzt. So könne die Fertigungsstätte als Metallverarbeitender Betrieb deklariert werden und nicht als Rüstungsbetrieb, heißt es behördenintern.
Zudem werde nicht neu gebaut - Covenant solle als Untermieter in eine bereits existierende Halle einziehen.
In Leipzig regt sich derweil Widerstand gegen die Pläne. Das Bündnis "Leipzig gegen den Krieg" ruft zur Stadtratsversammlung am Mittwoch zu einer Kundgebung vor dem Neuen Rathaus auf. Slogan: "Keine Rüstungsproduktion in Leipzig!"
Titelfoto: Bildmontage: privat ; Holm Helis ; picture alliance/dpa

