Riesige Nachfrage und Produktionsstopp: Jetzt werden auch noch die Briketts knapp!

Leipzig - Seit dem Ukraine-Krieg und dem Streit um russische Gaslieferungen geht ein Gespenst um in Deutschland: kalte Wohnungen im nächsten Winter! Das nahezu täglich gemalte Schreckensszenario bringt die Lausitzer "REKORD"-Brikettproduktion an ihre Grenzen und beschert Sachsens Kohlenhändlern in diesem Sommer Dauerstress. Und die Preise für das braune Gold sind im Steigflug.

Kohlehändler Hendrik Ebert (55) sitzt bei bleierner Hitze auf seinem immer kleiner werdenden Kohleberg. Nachschub bekommt er frühestens am 8. August.
Kohlehändler Hendrik Ebert (55) sitzt bei bleierner Hitze auf seinem immer kleiner werdenden Kohleberg. Nachschub bekommt er frühestens am 8. August.  © Alexander Bischoff

So einen Sommer hat Hendrik Ebert (55) noch nicht erlebt. Bei 34 Grad sitzt er auf einem Kohlenhaufen, der immer kleiner wird. "Seit drei Wochen steht das Telefon nicht mehr still - die Leute bunkern wie wild Briketts", erzählt der Leipziger Kohlenhändler in vierter Generation.

Nachfrage und Arbeit hätten sich verdoppelt. "Weil die Medien ständig dieses Bild von drohenden kalten Gas-Heizungen im Winter malen, machen sich die Leute verrückt und aktivieren ihre alten Kohleöfen", ruft er dem Reporter zu.

Auch die Preise schossen in die Höhe. Kostete der Zentner lose Briketts im Februar frei Haus noch 11,50 Euro, sind heute zwischen 15 und 16 Euro fällig. Und der Nachschub stockt. Denn seit letzter Woche stehen bei der Lausitzer Energie Bergbau AG (LEAG) die Brikett-Bänder still.

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"Wir haben das lange vor uns rausgeschoben, aber jetzt waren die Wartungsarbeiten einfach fällig", erklärt LEAG-Sprecher Thoralf Schirmer (56).

Bis Anfang August ruht die Brikettproduktion. Auch Kohlenhändler Ebert bekommt seine nächste Lieferung erst frühestens am 8. August.

Gebundene Briketts hat Hendrik Ebert noch einige Palletten im Angebot.
Gebundene Briketts hat Hendrik Ebert noch einige Palletten im Angebot.  © Alexander Bischoff

Einziger Brikett-Produzent stellte 35 neue Mitarbeiter ein

In Schwarze Pumpe wird Braunkohle zu Briketts veredelt - doch wegen Wartungsarbeiten ruht die Produktion aktuell, stehen alle Bänder still.
In Schwarze Pumpe wird Braunkohle zu Briketts veredelt - doch wegen Wartungsarbeiten ruht die Produktion aktuell, stehen alle Bänder still.  © LEAG

In den vergangenen Wochen herrschte beim "REKORD"-Hersteller in Schwarze Pumpe Ausnahmezustand.

"So hohe Produktionskapazitäten wie in diesem Sommer hat es bei uns noch nie gegeben", sagt der LEAG-Sprecher und spricht von einem Plus von 40 Prozent. Täglich bis zu 4000 Tonnen Braunkohle-Briketts verließen die Fabrik.

Schirmer: "Wegen der enormen Nachfrage haben wir 35 neue Mitarbeiter eingestellt - nun arbeiten 300 Leute an sieben Tagen in drei Schichten in der Brikettfertigung."

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Seit RWE im rheinischen Revier die Brikettproduktion für Privatabnehmer kürzlich einstellen musste, ist die LEAG Europas einzig verbliebener Hersteller.

Die Produktion in der Lausitz wird dennoch nicht erweitert. "Das geben unsere Anlagen nicht her", erklärt Schirmer. Und angesichts des geplanten Kohle-Ausstiegs in Deutschland lohne sich keine Investition in neue Anlagen.

Titelfoto: Alexander Bischoff

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