In Leipzig gestrandet: Russen zahlen Millionen Euro an Parkgebühren für Antonow-Frachter

Leipzig - Vor fast genau zwei Jahren hob am Leipziger Airport das letzte russische Flugzeug ab. Seither liegen hier drei Antonow AN 124 der russischen Volga-Dnepr-Airline "an der Kette". Wegen des EU-Embargos gegen Russland können sie weder fliegen noch gewartet werden. Der defizitäre Leipziger Flughafen verdient unterdessen täglich an den Standgebühren.

Zwangsgeparkt: Dicht an dicht sind die russischen Antonow-Frachtflieger AN 124 auf dem Vorfeld Nord des Leipziger Flughafens. An der vorderen Maschine sind die Triebwerke abgebaut.
Zwangsgeparkt: Dicht an dicht sind die russischen Antonow-Frachtflieger AN 124 auf dem Vorfeld Nord des Leipziger Flughafens. An der vorderen Maschine sind die Triebwerke abgebaut.  © Michael Strohmeyer

Am Sonntag, dem 27. Februar 2022, hob um 13.58 Uhr eine Boeing 747 der zum Volga-Dnepr-Konzern gehörenden Fracht-Airline AirBrigdeCargo vom Schkeuditzer Flugfeld gen Moskau ab. Es war der letzte Start einer russischen Maschine in Leipzig.

Am Tag darauf trat das wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine von der EU erlassene Flugverbot in Kraft. Seither darf kein russisches Flugzeug mehr den EU-Luftraum nutzen.

Das Embargo war auch das Aus des hiesigen Standortes der Aircraft Maintenance and Engineering Service GmbH (Amtes), einer russisch geführten Wartungsbasis auf dem Leipziger Flughafen. Als das Flugverbot in Kraft trat, waren hier gerade drei AN 124 der Volga-Dnepr-Airline zur großen Inspektion. Die Russen schafften es nicht mehr, die Riesenfrachter rechtzeitig flugfähig zu bekommen, um sie aus der EU herauszuholen.

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Seither stehen sie auf dem Vorfeld Nord und verwittern. Bei einer der Maschinen sind die Triebwerke abgebaut, auch einige Rumpfteile fehlen. Sie sollen sich im Inneren des Frachters befinden. "Die Antonows sind so geparkt, dass sie wenig Platz wegnehmen", sagt Flughafen-Sprecher Uwe Schuhart (48).

Aufgegeben hätten die Russen die Maschinen nicht. "Sie zahlen weiter ihre Standgebühren", so Schuhart. Zur Höhe macht er keine Angaben. "Geschäftsgeheimnis!"

Der Wartungsbereich der ukrainischen Antonows im Südteil des Airports mit Triebwerks-Behältern im Vordergrund - die blau-gelben AN 124 fliegen weiterhin regelmäßig Leipzig an.
Der Wartungsbereich der ukrainischen Antonows im Südteil des Airports mit Triebwerks-Behältern im Vordergrund - die blau-gelben AN 124 fliegen weiterhin regelmäßig Leipzig an.  © Michael Strohmeyer

Russische Antonows seit zwei Jahren in Leipzig gestrandet

Flughafen-Sprecher Uwe Schuhart (48).
Flughafen-Sprecher Uwe Schuhart (48).  © PR

Laut Entgeltordnung des Flughafens beträgt die Parkgebühr für Flugzeuge pro Tag 2,67 Euro je Tonne maximaler Startmasse.

Das maximale Abfluggewicht der Volga-Dnepr-Antonows liegt je nach Ausführung zwischen 392 und 402 Tonnen - mithin dürfte jede Maschine täglich zwischen 1046 und 1073 Euro in die Kasse der hochdefizitären Mitteldeutschen Flughafen AG spülen, insgesamt also theoretisch bislang schon mehr als zwei Millionen Euro.

Ob die unfreiwillig hier festsitzenden Russen Sonderkonditionen bekommen - auch diese Frage beantwortet das in öffentlicher Hand befindliche Unternehmen nicht.

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Während sich den russischen Antonows niemand nähern darf, worauf die Bundespolizei achtet, rollen im Südteil des Flughafens deren blau-gelbe Schwestern ein und aus. Hier hat die ukrainische Antonov Airline (englische Schreibweise) ihre Basis. Bis zu sechs AN 124 werden dort regelmäßig gewartet.

Früher waren Ukrainer und Russen am Leipziger Airport vereint, flogen als Joint Venture "Ruslan" unter anderem NATO-Kriegsgerät in alle Welt. Im Jahr 2016 endete die Kooperation.

Titelfoto: Michael Strohmeyer

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