Besondere Schaufenster in der Leipziger Innenstadt: Was hat es damit auf sich?

Leipzig - Diese Woche steht ganz im Zeichen der Leipziger Buchmesse 2026 - am Mittwochabend wird die riesige Bücherschau offiziell im Gewandhaus eröffnet. Passend dazu findet Ihr in der Innenstadt auch wieder zahlreiche toll dekorierte Schaufenster.

Die Schaufenster im Städtischen Kaufhaus sind wieder mit Büchern geschmückt.
Die Schaufenster im Städtischen Kaufhaus sind wieder mit Büchern geschmückt.  © BuWision/Gabriel Corredor

Alle Jahre wieder hat die BuWision der Leipziger Buchwissenschaft eine Ausstellung im Gepäck. Früher war diese während der Buchmesse in den Schaufenstern Dutzender Läden und Cafés zu sehen. In diesem Jahr ist das ein wenig anders.

Die Bücherschau findet ausschließlich im früheren Städtischen Kaufhaus statt, schmückt die Fenster in der Passage. Anlass ist der Geburtstag eines der größten und bedeutendsten deutschen Verlage: Der S. Fischer Verlag feiert in diesem Jahr sein 140. Jubiläum. Er wurde 1886 vom Juden Samuel Fischer gegründet.

Dazu hat das Unternehmen Siegfried Lokatis (69), pensionierter Professor der Uni Leipzig, zahlreiche Werke aus dem Verlagsarchiv in Frankfurt leihweise zur Verfügung gestellt.

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"Es hat wieder einen Heidenspaß gemacht. Es gab selten so viele Schwierigkeiten, aber ich liebe das", erzählt er im Gespräch mit TAG24. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich das mal nicht mehr mache."

Bei Ausarbeitung und Aufbau der Ausstellung haben Bachelor-Studenten ihn im Rahmen eines Seminars unterstützt. Dieses fand wie immer im "Bibliotop" statt, einer von ihm ins Leben gerufenen Schatzkammer, die mit ihren Buchsammlungen und Ausstellungsstücken einst zum Herzstück der Leipziger Buchwissenschaft wurde.

Mittlerweile gehört es nicht mehr zum Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, sondern zum Zentrum für immaterielles und materielles Kulturgut, genannt ZimaK.

Prof. Siegfried Lokatis (69) ist stolz, was er und seine Studenten auch diesem Jahr wieder gezaubert haben.
Prof. Siegfried Lokatis (69) ist stolz, was er und seine Studenten auch diesem Jahr wieder gezaubert haben.  © TAG24/Juliane Bonkowski
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Auch während der NS-Zeit sind Bücher bei Fischer erschienen - von nicht verbotenen Autoren.
Auch während der NS-Zeit sind Bücher bei Fischer erschienen - von nicht verbotenen Autoren.  © BuWision/Gabriel Corredor

Interaktive Karte führt Euch durch Ausstellung und Verlagsgeschichte

Viele Autoren waren gezwungen ins Exil zu gehen, darunter Stefan Zweig (o.), Franz Werfel (M.) und Carl Zuckmayer.
Viele Autoren waren gezwungen ins Exil zu gehen, darunter Stefan Zweig (o.), Franz Werfel (M.) und Carl Zuckmayer.  © BuWision/Gabriel Corredor

Ausgestellt sind meist ältere Bücher, die zwischen 1886 und 1970 erschienen sind und dem Verlag zurückgegeben werden müssen. Einige Exemplare steuerte auch ein Sammler bei.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Verlagsprogramm der vergangenen 140 Jahre, darunter auch die Nazi-Zeit samt Arisierung des Hauses und Emigration des damaligen Verlegers. Zahlreiche bekannte Autoren wurden bei Fischer verlegt, darunter Sigmund Freud, Franz Kafka und Nobelpreisträger Thomas Mann.

Siegfried Lokatis arbeitet gemeinsam mit Kulturhistoriker Jan-Pieter Barbian (67) auch abseits der diesjährigen Schau an einer neuen Geschichte des S. Fischer Verlags, die die Jahre 1930 bis 1952 umfasst und sich somit hauptsächlich mit der Nazi-Zeit und deren Folgen für das Unternehmen beschäftigt.

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Die Ausstellung wird auch über die Leipziger Buchmesse hinaus noch einige Wochen im Städtischen Kaufhaus zu sehen sein, endet am 25. April. Eine interaktive Karte führt Euch durch die Verlagsgeschichte und erklärt Euch die einzelnen Schaufenster.

Tipp: Beginnt Euren Rundgang am Eingang in der Kupfergasse, denn dort fängt die Reise durch die Verlagsgeschichte an. Habt Ihr die Passage verlassen, findet Ihr an den Ausgängen zur Universitätsstraße und zum Gewandgäßchen weitere Teile der Ausstellung.

Titelfoto: Bildmontage: BuWision/Gabriel Corredor, TAG24/Juliane Bonkowski

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