Kritisiert und bewundert! Das ist der 165 Millionen Euro teure "Palazzo Prozzo" der Staatsbank SAB

Leipzig - Für die einen ist es ein architektonisches Meisterwerk der Moderne, für die anderen nur ein weiterer Beleg von öffentlicher Geldverschwendung: der Neubau der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Leipzig. Am gestrigen Dienstag nun gewährten Sachsens Staatsbänker erstmals Einblicke in ihren "Palazzo Prozzo".

Ein Palast mit vielen Säulen: Rund 165 Millionen Euro hat die neue SAB-Zentrale in Leipzig gekostet.
Ein Palast mit vielen Säulen: Rund 165 Millionen Euro hat die neue SAB-Zentrale in Leipzig gekostet.  © Jan Woitas/dpa

Mit 107 Millionen Euro war er kalkuliert, am Ende schlug er mit knapp 165 Millionen zu Buche. Der SAB-Neubau in Leipzig füllt sich langsam mit Leben. Seit Monatsbeginn beziehen die ersten 200 Mitarbeiter von Sachsens Förderbank ihre neue Zentrale.

Nach den Plänen des Londoner Architekturbüros ACME entstand ein zweiflügeliger, optisch gläserner Gebäudekomplex über vier Geschosse, der sich zur City hin öffnet und dessen Blickfang ein riesiger Säulengarten ist.

Allein im vorgelagerten Hofteil ließen die Staatsbänker 159 Säulen errichten, die in 20 Meter Höhe jeweils mit einer Art Sonnenschirm aus Glasfaser bekrönt sind. Weitere 92 Säulen befinden sich am Gebäude selbst.

Leipzig: Coronavirus in Leipzig: Seit Sonntag gilt in der Messestadt die 3G-Regel!
Leipzig Coronavirus in Leipzig: Seit Sonntag gilt in der Messestadt die 3G-Regel!

Kein Wortwitz: Die Säulen bestehen laut SAB aus "Schleuderbeton". Was allerdings keine Anspielung darauf ist, dass sie die Preistreiber bei den Baukosten waren.

Der Säulengarten besteht aus 159 Säulen mit Sonnenschirm-Bekrönung.
Der Säulengarten besteht aus 159 Säulen mit Sonnenschirm-Bekrönung.  © Jan Woitas/dpa
Ein Treppenhaus in Schnecken-Optik. Fahrstühle gibt es natürlich auch in der SAB-Zentrale.
Ein Treppenhaus in Schnecken-Optik. Fahrstühle gibt es natürlich auch in der SAB-Zentrale.  © Jan Woitas/dpa
Eines der modernen Großraumbüros der Staatsbänker, die rundum beste Sicht haben.
Eines der modernen Großraumbüros der Staatsbänker, die rundum beste Sicht haben.  © Jan Woitas/dpa
Schön plüschig - hier können sich die Mitarbeiter zum gedämpften Telefonieren zurückziehen.
Schön plüschig - hier können sich die Mitarbeiter zum gedämpften Telefonieren zurückziehen.  © Jan Woitas/dpa

SAB-Neubau: Nicht nur ein Bürogebäude, sondern auch öffentlicher Raum für die Stadt Leipzig

Stolz auf ihren neuen Dienstsitz: SAB-Vorstandschefin Dr. Katrin Leonhardt (54).
Stolz auf ihren neuen Dienstsitz: SAB-Vorstandschefin Dr. Katrin Leonhardt (54).  © Thomas Türpe

"Mit dem SAB-Forum haben wir nicht nur ein Bürogebäude errichtet, sondern tragen mit dem städtebaulichen Ensemble zur Quartiersentwicklung bei und schaffen für die Stadt Leipzig einen öffentlichen Raum", erklärte SAB-Vorstandschefin Katrin Leonhardt (54) die Idee hinter der Architektur.

Denn in dem einen Gebäudeteil, in dem die drei Wandreliefs aus dem an dieser Stelle abgerissenen Robotron-Bau integriert wurden, sollen auch öffentliche Veranstaltungen stattfinden können.

In dem für die Allgemeinheit nicht zugänglichen Bereich haben sich die Staatsbänker recht stylisch eingerichtet. Moderne Großraumbüros mit edlen Hellerau-Wandschränken finden sich hier ebenso wie "Silent-Rooms" zum stillen Nachdenken, plüschige Waben zum gedämpften Telefonieren und grüne Kuschel-Sofas mit Sichtschutz.

Nivea aus Leipzig: 600 Jobs und 450 Millionen Produkte jährlich
Leipzig Wirtschaft Nivea aus Leipzig: 600 Jobs und 450 Millionen Produkte jährlich

Der Bund der Steuerzahler sieht in der teuren Expansion der in Dresden ansässigen SAB nach Leipzig eine Verschwendung öffentlicher Gelder.

Thomas Mayer (60), Präsident des Bundes der Steuerzahler in Sachsen, sieht in dem Bau eine Verschwendung öffentlicher Mittel.
Thomas Mayer (60), Präsident des Bundes der Steuerzahler in Sachsen, sieht in dem Bau eine Verschwendung öffentlicher Mittel.  © BdSt

"Es ist nicht Aufgabe einer staatlichen Bank, als Stadtarchitekt zu agieren", erklärte Präsident Thomas Meyer (60) im Gespräch mit TAG24. Im neuen Doppelstandort der Förderbank sei auch kein Mehrwert zu erkennen.

Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa, Thomas Türpe

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: