"Letzte Chance, Einblicke zu erhalten": Das wurde im Leipziger Nazi-Lager gefunden

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von André Jahnke

Leipzig - Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager "Mangold" in Leipzig ist das Ziel zeitgeschichtlicher archäologischer Ausgrabungen. Im Vorfeld einer geplanten Bebauung werde das 9000 Quadratmeter große Areal untersucht, wie das Landesamt für Archäologie mitteilte. Bislang konnten etwa 600 Befunde erfasst werden.

Das Gelände soll neu bebaut werden. Vorher werden aber die seltenen Funde gesichert.
Das Gelände soll neu bebaut werden. Vorher werden aber die seltenen Funde gesichert.  © Jan Kaefer

Den Angaben zufolge zählen dazu vor allem Fundamente, Pfosten und Holzböden der Baracken, Wege, Gruben, ein Heizraum und die Splitterschutzgräben.

Zudem wurden Objekte aus dem täglichen Leben der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wie Lederschuhe, Teller, Tassen, Löffel und Glasflaschen gesichert.

"Mit der Ausgrabung der im Boden verbliebenen Reste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers 'Mangold' bietet sich letztmalig die Chance, Einblicke in Struktur und Geschichte des Lagers zu erhalten und dies für die Nachwelt zu dokumentieren", sagte Landesarchäologin Regina Smolnik.

Leipzig: Farbanschlag und massive Vorwürfe gegen Leipziger Zirkus: "Ich fühle mich verfolgt!"
Leipzig Lokal Farbanschlag und massive Vorwürfe gegen Leipziger Zirkus: "Ich fühle mich verfolgt!"

Es sollen auch Erkenntnisse zu der Versorgung und zu den Lebensumständen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gesammelt werden.

Es wurden Gegenstände aus dem Alltag der Zwangsarbeiter ausgegraben.
Es wurden Gegenstände aus dem Alltag der Zwangsarbeiter ausgegraben.  © Jan Kaefer
Deine täglichen News aus Leipzig

Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.

  • Lokale Nachrichten aus Leipzig & Umgebung
  • Exklusive Hintergrundberichte
  • Jederzeit abbestellbar
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätige die E-Mail, die wir dir gesendet haben.
Mit deiner Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Bis zum Kriegsende gab es 3000 Zwangsarbeiter

Das Barackenlager war eines der größten im Leipziger Stadtgebiet.
Das Barackenlager war eines der größten im Leipziger Stadtgebiet.  © Jan Kaefer

Das Zwangsarbeiterlager war 1942 in Betrieb genommen worden. Gearbeitet wurde vor allem für ein Unternehmen, welches kriegsrelevante Produkte wie Gespanne, Maschinengewehr-Wagen, Hülsen für Bomben und Granaten sowie Grabenpflüge herstellte. Bis zum Kriegsende erhöhte sich die Zahl der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf 3000.

Nach Kriegsende brachte man in dem ehemaligen Zwangslager Menschen unter, die sich durch die Kriegsereignisse außerhalb ihrer Heimat aufhielten. Im Frühjahr 1945 lebten in den Baracken zeitweise fast 1300 Menschen.

Nach deren Rückführung richtete die sowjetische Militärregierung ein Quarantänelager für deutsche Flüchtlinge aus dem Osten ein, das bis 1950 in Betrieb war.

Leipzig: Marode agra-Brücke bei Leipzig: So soll das Bauwerk zerstört werden
Leipzig Lokal Marode agra-Brücke bei Leipzig: So soll das Bauwerk zerstört werden

Danach riss man die Baracken ab, ein Gebäude blieb weiterhin in Benutzung und wurde erst 1996 abgerissen.

Titelfoto: Bildmontage: Jan Kaefer

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: