Weltweit einmalige Studie in Leipzig will Kindern mit Herzfehlern helfen
Leipzig - Carlo aus Leipzig ist neun Jahre alt und eigentlich ein sehr sportlich aktives Kind, aber er leidet an einem komplexen angeborenen Herzfehler. In den kardiologischen Leitlinien wird Patientinnen und Patienten wie Carlo aber empfohlen, besonders beim Schwimmen und Tauchen vorsichtig zu sein bzw. ganz darauf zu verzichten. Eine Studie will das jetzt ändern.
"Das Thema beschäftigt uns bereits länger und wir haben uns in mehreren Vorstudien der Frage genähert, ob eine pauschale Einschränkung des Schwimmens und Tauchens wirklich indiziert ist", erklärte Prof. Dr. med. Christian Paech, Geschäftsführender Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig, in einer Pressemitteilung am Mittwoch.
Im Januar wurde deswegen am Herzzentrum Leipzig eine weltweit einmalige Studie designt, die wichtige Daten erheben soll, damit Kinder mit angeborenen Herzfehlern sicher am Schwimmen teilnehmen können.
Der neunjährige Carlo macht dabei unter anderem mit, aber auch Daten von gesunden Kindern ab sechs Jahren werden erhoben.
In drei Schritten werden Messungen durchgeführt. Die Kinder müssen zuerst im Trockenen so lange wie möglich die Luft anhalten. Dabei wird ihre Tauchreaktion gemessen und beobachtet, wie sich Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Perfusionsindex verändern.
Im zweiten Schritt tauchen die Kinder ihren Kopf in ein Wassergefäß und es wird erneut gemessen. Danach tauchen sie auf der Stelle. Mittels einer Spiroergometrie wird gemessen, wie viel Sauerstoff beim Schwimmen und beim Tauchen aufgenommen und abgegeben wird.
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Die Ärzte vermuten, dass auch Kinder mit Herzfehler ohne Risiko schwimmen können
Man wolle mit dem Versuch sicherstellen, dass die Vorgänge, die beim Schwimmen und Tauchen im Körper passieren, auch bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern reibungslos ablaufen.
Die Experten vermuten nämlich, dass die betroffenen Kinder auch ohne großes Risiko schwimmen können. Das muss allerdings durch gesicherte Daten belegt werden. Alle Versuche finden natürlich unter ärztlicher Aufsicht statt.
"Es wäre unverhältnismäßig und benachteiligend, wenn Kinder mit angeborenen Herzfehlern teils nicht schwimmen und tauchen könnten, nur weil es keine ausreichende Datenlage dazu gibt", so Prof. Christian Paech.
Ein aktiver Lebensstil sei für alle, aber vor allem für Kinder mit Herzkreislauferkrankungen wichtig. Darüber hinaus stärke er bei Kindern und Jugendlichen das Selbstbewusstsein, das soziale Miteinander und wirke sich langfristig positiv auf die Herzgesundheit aus.
Noch bis voraussichtlich Ende Juni läuft die Studie. Neben dem Herzzentrum Leipzig ist auch das Therapiezentrum Angerbrücke involviert und die Deutsche Herzstiftung und die Kinderherzkammer fördern sie.
Titelfoto: Bildmontage: Christian Hüller

