Farbanschlag und massive Vorwürfe gegen Leipziger Zirkus: "Ich fühle mich verfolgt!"
Leipzig - In der Nacht auf Dienstag wurde das nagelneue Zelt des Circus Afrika auf dem Jahrtausendfeld in Plagwitz angegriffen. Den Betreibern wurde Tierquälerei vorgeworfen.
"Die Zeltplane ist zerschnitten und beschmiert und kann nie wieder in ihren vorherigen Zustand gebracht werden", schilderte Uwe Weisheit, der seinen Bruder, Zirkusdirektor Renaldo Weisheit, bei den Vorstellungen unterstützt.
Seit sieben Generationen betreibt die Familie Weisheit den Circus Afrika. Nach jahrelangem Sparen hatten sie sich in den Wintermonaten für rund 80.000 Euro endlich ein neues, strahlend weißes Zirkuszelt zugelegt.
Unglücklicherweise hielt die Freude über die Anschaffung nicht gerade lang an. Zwischen 1 Uhr und 7.30 Uhr wurde die Plane in der Nacht auf Dienstag großflächig mit Parolen beschmiert und an einigen Stellen sogar zerschnitten. Dabei wird den Betreibern hauptsächlich Tierquälerei zum Vorwurf gemacht.
Die Farbe zu entfernen sei nicht möglich, da zu starke Lösungsmittel das Material beschädigen würden. Stattdessen würde die rote Schrift das weiße Zelt verfärben. Um dennoch das Go des Bauamts zu bekommen, bleibe vorerst nichts anderes übrig, als die zerschnittenen Teile mit alten Planen austauschen.
Weisheit beteuert: "Wir lieben unsere Tiere!"
Weisheit gehe derzeit von einem Sachschaden in Höhe von 40.000 Euro aus. Hinzukämen zahlreiche beschädigte Plakate sowie die geschäftsschädigenden Inhalte der Parolen. "Das ist Rufmord. Wir sind ja Tierliebhaber. Wir lieben unsere Tiere", versicherte er gegenüber TAG24.
Erst am gestrigen Montag habe das Veterinäramt die artgerechte Haltung der Tiere mit der Note sehr gut bestätigt. Zudem seien ausschließlich Haustiere an den Aufführungen beteiligt. "Darum wundern wir uns. Früher gab es ja Löwen und Tiger und bei uns sind es wirklich nur Haustiere."
Welche Folgen das Debakel für den jahrzehntelangen Zirkusbetrieb hat, sei bisher noch unklar. "Wir hoffen, dass es nicht unser Ende ist und wir trotzdem unsere Raten zahlen können", sagte Weisheit.
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Die Show im Circus Afrika muss weitergehen
"Ich fühle mich verfolgt", gestand Weisheit. Die Frage, wie man gegen zukünftige Angriffe vorgehen wolle, mache ihn ratlos. Um sich irgendwie trotzdem schützen zu können, wolle man die Hunde als Wachhunde einsetzen und möglicherweise Nachtwachen halten.
Nichtsdestotrotz müsse die Show aber weitergehen. "Wir wollen uns das Gastspiel nicht durch ein paar kriminelle Schmierfinken vermiesen lassen und bitten alle Leipziger zahlreich zu erscheinen. Wir wollen einfach einen schönen Zirkus feiern."
Die Vorstellung am 1. Mai finde natürlich dennoch statt.
Titelfoto: Bildmontage: Christian Grube
