"Nach 164 Jahren nehmen wir Abschied": Traditions-Laden im Herzen Leipzigs schließt

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Leipzig - Eine 164-jährige Traditionsfirma verschwindet aus Leipzig. Die Inhaberin des "Kunsthandwerks Zechendorf" am Burgplatz muss den Schlüssel zu ihrem Laden in zwei Wochen abgeben. Mit TAG24 hat sie über die Geschichte, die schwere Entscheidung und den Räumungsverkauf gesprochen.

Unübersehbar: Das "Kunsthandwerk Zechendorf" hat den Räumungsverkauf begonnen.
Unübersehbar: Das "Kunsthandwerk Zechendorf" hat den Räumungsverkauf begonnen.  © TAG24/Nico Zeißler

Zwischen der Gaststätte "Zur Pleißenburg" und dem Eck-Dönerimbiss "House of Aladin" verkauft Petra Zechendorf (68) in vierter Generation Korb-, Rattan- und Holzwaren sowie Wolldecken. Noch.

Denn am 30. Juni wird sie ihren Kunden das letzte Mal ihre Artikel in dem 50 Quadratmeter großen Laden anbieten können - teils stark reduziert mit bis zu 50 Prozent Rabatt aufgrund des Räumungsverkaufs.

Aus gesundheitlichen Gründen wird die 68-Jährige das Geschäft aufgeben. "Ich möchte mehr Zeit mit meinem Mann verbringen", sagt Zechendorf, die zehn Jahre lang Mieterin an diesem Standort war, das Familienunternehmen aber bereits 1988 übernommen hatte. "Damals wurden meine Eltern auf der Autobahn bei Dessau von einem Armee-Auto überrollt", berichtet die Verkäuferin.

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Eigentlich sollte ab Juli ein Nachfolger das Sortiment weiterführen, was der Vermieter befürwortet, sich kürzlich aber umentschieden habe. "Jetzt kommt Gastronomie, was er eigentlich nicht wollte. Das ist traurig, und ich verstehe es auch nicht."

Dennoch ist Petra Zechendorf dem Vermieter wohlgesonnen, habe problemlos per Auflösungsvertrag aus dem Mietverhältnis ausscheiden können.

Unter anderem diese Holzfiguren sollen noch verkauft werden.
Unter anderem diese Holzfiguren sollen noch verkauft werden.  © TAG24/Nico Zeißler
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Firma Zechendorf legte Wert auf traditionelle Handwerkskunst

Auch Geschirr und Wolldecken finden sich im Sortiment.
Auch Geschirr und Wolldecken finden sich im Sortiment.  © TAG24/Nico Zeißler

Am 22. April 1862 eröffnete die Korbmacherfamilie Zechendorf ihren ersten Laden am Marktplatz. Alle Geschäfte befanden sich in der Innenstadt, darunter bis 1994 insgesamt 60 Jahre in der Mädlerpassage.

Das Korb-Sortiment wurde nach und nach um andere Handwerks- und Erzgebirgskunst wie die einzigartigen "Grünhainichener Engel" und Wolldecken erweitert. Man arbeite mit sehr alten und größtenteils im Osten ansässigen Traditionsfirmen zusammen, teilweise seit 70 Jahren. "Wir legen noch heute Wert darauf, dass keine Industrieprodukte verkauft werden", steht auf der Homepage geschrieben.

Die Diplom-Ingenieurin für Maschinenbau wird das letzte Mal am 30. Juni hinter ihrem Verkaufstresen stehen, beraten und sicherlich auch den ein oder anderen Artikel abgeben. Sollten dennoch welche übrig bleiben, wolle sie diese an einem kleinen Stand auf dem Delitzscher Weihnachtsmarkt vertreiben.

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Die Ladeneinrichtung werde verschenkt, erzählt die 68-Jährige TAG24. Außer der Vitrine sei alles noch zu haben. Zwischen dem 1. und 4. Juli müsse aber alles weg sein.

Nachfolger des Kunsthandwerk-Ladens soll eine gastronomische Einrichtung werden.
Nachfolger des Kunsthandwerk-Ladens soll eine gastronomische Einrichtung werden.  © TAG24/Nico Zeißler

Für Petra Zechendorf geht es nun in Rente. "Ich hätte wenigstens noch zwei Jahre weitergemacht. Vielleicht hätten sie uns hier auch rausgetragen", lacht die 68-Jährige, die sich jetzt aber in Vollzeit um ihren Mann kümmern möchte.

Titelfoto: Bildmontage: TAG24/Nico Zeißler

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