Revolution auf dem Markt? Diese Leipziger Wohnungen verändern ihre Größe
Leipzig - Seine Wohnung je nach Lebenslage erweitern oder verkleinern könnte künftig nicht mehr nur Zukunftsmusik sein. In Leipzig beginnt bereits in einigen Tagen der erste Testlauf für das sogenannte Nukleuswohnen. Ariane und Jakob sind dabei.
Wenn man sich die jahrelang unbewohnte Platte in Leipzig-Grünau von innen anschaut, ist kaum vorstellbar, dass da bereits ab der nächsten Woche die ersten Personen einziehen.
Mit wenig Geld wurde hier versucht, ein Setting zu schaffen, das so nah wie möglich an eine spätere Realität herankommt. Viel Luxus brauchen die Probanden nicht erwarten, doch darum geht es in diesem Schritt auch noch nicht.
Die beiden Seiten eines Teils des Hauses wurden durch einen Flur der Länge nach voneinander getrennt. Eine Hälfte stellt die Kernräume dar. Hier bekommt jede Person oder Familie seine eigene Küche, Bad und je nach Personenanzahl Wohnräume.
Individuell können noch Räume hinzugebucht werden, die sich entweder auf der anderen Seite des Flurs oder im Maisonette-Stil auf einer angrenzenden Etage befinden. Vergrößern oder verkleinern ohne umziehen zu müssen, um gegen den Wohnungsmangel zu wirken, aber auch unpassende Wohngrößen zu vermeiden.
Arianes Umzug in ihre neue Wohnung auf Zeit steht kurz bevor. Zusammen mit der Familie ihrer Tochter und einer befreundeten Familie zieht sie für die nächsten sechs Wochen in eine Wohneinheit.
"Das ist ideal für mich", freut sie sich über die etwas andere Art des miteinander Lebens. Sie könnte sich durchaus vorstellen, auch künftig in einem solchen Wohnkonzept zu leben.
Bau-Bürgermeister Thomas Dienberg (64) freut sich besonders über den Umsetzungsort: "Wir sind froh, dass es Grünau geworden ist." Denn in Zukunft müsse man den Stadtteil besonders für junge Familien interessant gestalten. Es ist eines von mehreren Projekten, die den teils verschrienen Ruf Grünaus wieder begradigen sollen.
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Sieht so das Wohnen der Zukunft aus? "Jeder weiß ja, worauf man sich einlässt"
Jakob zieht zusammen mit seiner Partnerin und den beiden Kindern in der zweiten Testphase Mitte August ein. Die Familie konnte ihre kurzzeitigen Nachbarn und Mittester bereits kennenlernen.
Wie das Zusammenleben, das zumindest in der Theorie einen gewissen Wohnheim-Flair hat, dann tatsächlich funktioniert, wird sich zeigen. "Jeder weiß ja, worauf man sich einlässt", erzählt er im Gespräch mit TAG24.
Jakob hat durch einen Zeitungsartikel von dem Projekt gelesen und sich im Anschluss erfolgreich dafür beworben. Ihre gemeinsame Wohnung in Connewitz gibt auch die Familie für sechs Wochen auf.
Alle 29 Testpersonen, die für 2026 vorgesehen sind, wohnen mietfrei in dem Wohnprojekt. Lediglich einen Teil der Nebenkosten müssen sie übernehmen.
Das Projekt der RWTH Aachen entstand in Kooperation mit dem Architekturbüro Almannai Fischer und wurde in einem Gebäude der Wohnungsgenossenschaft Lipsia umgesetzt.
Titelfoto: Montage: Christian Grube
