Von André Jahnke
Leipzig - Nach den gravierenden Hitzeschäden und der tagelangen Einstellung des Betriebs fahren inzwischen nahezu alle Straßenbahnen in Leipzig wieder. Was der Grund für die Schäden war, wird unterdessen untersucht. "Der von uns beauftragte Gutachter hat vergangene Woche seine Arbeit aufgenommen. Er hat erste Ergebnisse seiner Arbeit für Ende August angekündigt", sagte eine Sprecherin der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) auf Anfrage.
Der Experte vom TÜV Süd nimmt Materialproben und untersucht unter anderem, warum die Fugenmasse an einigen Stellen schmolz und an anderen der Hitze standhielt.
Am vorletzten Wochenende war der Straßenbahnbetrieb in Sachsens größter Stadt vollständig eingestellt worden. Extreme Hitze mit Temperaturen um 40 Grad hatte laut LVB an vielen Stellen an den Schienen die Fugenmasse aufgeweicht.
Die Straßenbahnen hatten diese herausgedrückt und mit ihren Rädern auf Schienen und Weichen verteilt - bis zu fünf Millimeter dick. Die Masse härtete wieder aus, verklebte die Schienen und beschädigte auch Fahrzeuge.
"Mit unserem Gutachter bewerten wir in der gebotenen Sorgfalt die Fugenvergussmasse aus den schadhaften und den nicht schadhaften Gleis-Trassen", hieß es weiter.
Erst mal werden keine neuen Fugen eingebaut
Der Einbau neuer Fugen sei für vier Wochen ausgesetzt.
"Bis dahin bewerten wir anerkannte technische Lösungen für den Fugenverguss sowie das Einbauverfahren, zu welchen wir uns mit Verkehrsunternehmen aus ganz Europa austauschen." Auch in anderen Städten wie Nürnberg und Essen hatte es vergleichbare Schäden gegeben.
Der Klimawandel mit immer wiederkehrenden Hitzeperioden werde perspektivisch aus Sicht der LVB branchenweit zu angepassten Lösungen führen müssen. Welche das sein könnten, ließ die Sprecherin offen.
Auch mithilfe der Leipziger Bevölkerung war es in tagelanger Arbeit gelungen, die verklebten Gleise zu befreien.
Als Dank für die Hilfe und das Verständnis der Menschen gewähren die LVB in dieser Woche bis zum 12. Juli Freifahrten: Wer ein gültiges Ticket besitzt, kann im Stadtgebiet kostenlos eine weitere Person in Bahn und Bus mitnehmen. Ausgenommen sind S-Bahnen und Regionalzüge.