Wer in Leipzig umzieht hat schon verloren: Ein Kommentar
Leipzig - Der Wohnungsmarkt der Messestadt steht deutlich unter Druck, meldete Leipzigs Stadtverwaltung am Montag. Die Realität sieht dabei längst viel düsterer aus, findet TAG24-Redakteur Eric Mittmann und warnt: Wer heute in Leipzig umzieht, hat im Grunde schon verloren. Ein Kommentar.
Anders kann man es doch nicht mehr beschreiben, wenn man Fakten liest wie die folgenden:
- Die Preise für Neuvermietungen sind allein zwischen 2022 und 2025 um 25 Prozent gestiegen.
- Die Zahl neu inserierter Mietwohnungen hat sich seit 2015 mehr als halbiert!
- Ein Wohnungswechsel ist in der Regel mit Mehrkosten von 20 bis 50 Prozent verbunden - und das oft auch beim Bezug einer kleineren Wohnung.
Wir zahlen immer mehr für ein immer kleineres Angebot an Wohnungen und wenn wir dann wirklich etwas finden sollten, können wir froh sein, wenn uns nicht allein der Umzug in den Ruin treibt.
Noch schlimmer sieht die Lage für einen Vier-Personen-Haushalt aus: Nur noch acht Prozent der Mietangebote sind laut Stadtverwaltung für eine typisch deutsche Familie (Mama, Papa plus zwei Kinder) zugleich bezahlbar und angemessen. Nicht einmal ein Zentel der Inserate!? Bei fünf und mehr Personen schrumpfe das Angebot sogar auf weniger als ein Prozent.
Leipzig bezeichnet sich selbst immer so gern als junge Stadt. Als Stadt für Studenten und junge Familien. Wo sollen diese Leute denn leben, wenn sie sich die Miete nicht leisten können!?
Ist das wirklich die Stadt, in der wir leben wollen?
Welcher Student soll denn bitte eine Wohnung zum Preis von durchschnittlich 10 Euro pro Quadratmeter bezahlen können? Wenn er denn überhaupt was auf dem Markt findet.
Als wir 2010 nach Leipzig gezogen sind, haben mein Mitbewohner und ich noch um die 400 Euro für unsere 55-Quadratmeter-Wohnung an der Karli, Ecke Riemannstraße gezahlt. Für eine vergleichbare Wohnung in Plagwitz oder Connewitz zahlt man heute um die 1000 Euro.
Leipzig versucht dem Ganzen mit Milieuschutzsatzungen entgegenzuhalten, aber das fühlt sich auch nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein an, wenn man diese Hiobsbotschaften liest.
Ist das wirklich die Stadt, in der wir leben wollen? In der schon die Mietpreise uns das Leben schwer machen? Wie lange wird Leipzig noch das Klein-Paris sein, wenn die jungen Menschen irgendwann nicht mehr hier leben können, weil wir wirklich Berliner und Münchener Verhältnisse erreicht haben?
Die Lage sieht düster aus. Bleibt zu hoffen, dass wir wie bei vielen Dingen aktuell noch die Kurve kriegen.
Titelfoto: claudiodivizia/123RF

