Stadt Leipzig ist gegen Abriss: Was wird nun aus bekanntem Leipziger Lost Place?
Leipzig - Ein wichtiges Stück Leipziger Industriegeschichte könnte bald für immer verschwinden. Verschiedene Vereine, Bürgerinitiativen und Politikerinnen sprachen sich bereits dagegen aus. Auf TAG24-Anfrage bezog jetzt auch die Stadt Leipzig Stellung und ist ebenfalls gegen einen Abriss der Maschinenfabrik Philipp Swiderski.
Die Eigentümerin und das Stadtplanungsamt sind sich demnach uneinig. Aus dem Amt hieß es, dass man das Gebäude erhalten möchte und in gemeinsamen Gesprächen auch Möglichkeiten vorgestellt habe.
Auf TAG24-Anfrage wurde eingeräumt, dass das Gebäude in keinem guten Zustand sei, "dennoch zeigen Entwicklungen von denkmalgeschützten Gebäuden in einem ähnlichen oder als schlechter zu bewertenden Zustand, dass ein Erhalt möglich ist", so die Stadt.
Die Eigentümerin hatte gegenüber dem Stadtplanungsamt trotzdem angekündigt, dass man den Mitte 2024 gestoppten Ansatz zum Rückbau wieder aufnehmen wolle.
Vorher wurden von der Eigentümerseite bereits Nutzungskonzepte vorgelegt, die aus der ehemaligen Maschinenfabrik einen großen Supermarkt machen möchten, mit zusätzlichen gewerblichen und kulturellen Flächen und einigen Wohnungen.
Laut der Stadt wäre das aber nicht umsetzbar, denn das Gelände unterliegt dem sogenannten "B-Plan Nr. 428.1", der die Nutzung bestimmt. Genau hier wäre man aber bereit, Kompromisse einzugehen, damit das Gebäude nicht abgerissen wird.
Vereine kämpfen für den Erhalt des Gebäudes
Vor allem aus der Bürgerschaft kommt Widerstand gegen die Pläne der Eigentümerin. Eine gemeinsame Stellungnahme von mehreren Vereinen machte den Standpunkt klar: Man wolle weder ein Einkaufszentrum noch einen Abriss.
Dave Tarassow, Vorstandsmitglied im Verein Industriekultur Leipzig e. V., erklärte auf TAG24-Anfrage: "Brauchen wir ein Einkaufszentrum an dieser Stelle? Solch eines wurde vor knapp zehn Jahren in den Plagwitzer Kunst- und Gewerbehöfen eröffnet - quasi nebenan."
Der Verein würde es stattdessen bevorzugen, wenn die Fläche für "Miet- und Eigentumswohnungen sowie Büros" genutzt würde. Die sind im pulsierenden Stadtteil Plagwitz im Westen von Leipzig ohnehin sehr gefragt.
Von der Stadt fordern die 87 Vereinsmitglieder vor allem Standhaftigkeit. "Wir fordern von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Leipzig, dass sie keinesfalls dem Abbruch, sollte ein Abbruchantrag gestellt werden, zustimmt. Auch keinem Teilabriss erhaltenswerter Substanz", so Tarassow.
Leipzig habe in den vergangenen Jahren schon zu viele Industriebauwerke verloren. In Führungen und Vorträgen, sowie den "Tagen der Industriekultur" informiert der Verein darüber und will aufklären.
Sie symbolisierten auch gegenüber der Eigentümerin Bereitschaft für Gespräche und eine gemeinsame Lösung. Stadt und Teile der Bürgerschaft sind also offen für Kompromisse. Nun muss sich nur noch die Eigentümerin bereit dafür zeigen.
Titelfoto: Dave Tarassow/Industriekultur Leipzig e.V.

