Von Lutz Brose
Leipzig - Der Tauschschrank im Lene-Voigt-Park in Reudnitz soll bis Ende April verschwinden. Für das Areal gibt es bereits andere Pläne. Trotz Brandanschlägen und Vermüllung spricht der Initiator von einem Erfolg.
"Lenes Tauscho hat bestens funktioniert und sein Ziel erreicht: Die vor Errichtung des Schranks laufende rege Tauschkultur am Standort durch passende Infrastruktur in bessere Bahnen zu leiten", so Initiator Aaron Krautheim gegenüber Tag24. "Der Ort wurde vor dem Schrank zum Tauschen verwendet und wird auch weiterhin dafür genutzt werden. Auch ohne den Schrank."
Viereinhalb Jahre stand Leipzigs wohl bekanntester Tauschschrank auf dem Gelände des ehemaligen Ringlokschuppens im Osten des Lene-Voigt-Parks. Zwar sorgten Brandanschläge und Vermüllung zuletzt für Kritik an dem Projekt. Für viele galt der "Tauscho" jedoch als Zentrum des Parks.
Laut den Initiatoren sollen sich nirgendwo sonst in der Grünanlage mehr Menschen getroffen haben. "Wir haben keine genauen Zahlen dazu, haben keine Erhebung gemacht. Die letzte Zählung war im Rahmen einer Bachelorarbeit von 2022. Diese zählte circa 500-600 Personen pro Tag", berichtete Krautheim.
Auf einen Monat gerechnet seien dies etwa 15.000 Menschen am Schrank. "Damit sicherlich der am stärksten frequentierte Schrank in Leipzig."
Initiator bereit für Neustart
In der Telegram-Helfer-Gruppe des „Tauscho“ seien etwa 200 Mitglieder registriert. Den Schrank regelmäßig aufgeräumt habe jedoch nur ein kleiner Kreis von circa zehn Personen. Drei von ihnen seien intensiv engagiert.Entsprechend gelang es nicht immer, den Standort sauber zu halten.
"In der Regel wurde pro Woche eine Fuhre mit dem Auto zum Wertstoffhof gefahren. Das waren etwa 20 Müllsäcke. Allgemeine Reste, die nicht mehr mitgenommen wurden, aber auch einfach Müll, den die Menschen ohnehin im Park lassen", so der Initiator. "Dies geschah alles ehrenamtlich, ist aber in diesem Rahmen eigentlich nicht vollständig zu stemmen. Da das Projekt keine institutionelle Unterstützung von der Stadtreinigung, einer Schule oder einem anderen Träger erhalten hat, sondern immer ehrenamtlich getragen wurde, konnte nur so viel aufgeräumt und entsorgt werden, wie im Rahmen des Ehrenamts zu leisten war."
Der Aufwand zum Aufräumen und Unrat entsorgen betrage etwa sechs bis acht Stunden pro Woche. Aaron Krautheim zufolge könne dies über ein FSJ bei der Stadt oder im Stadtteil gelöst werden. "Leider hat sich dafür keine Anbindung gefunden", bedauert der Initiator, der aber bereit ist, bei Angebot eines geeigneten Grundstücks, das Projekt "Tauscho" neu zu starten.