Wachsen statt verwelken: So rettet Ihr Eure grüne Pracht

Leipzig/Zittau - Hagelstürme, Starkregen, Trockenheit - Wetterextreme durch den Klimawandel nehmen zu, auch in Sachsen. Die Dürre 2018 bis 2020 beispielsweise war die größte seit mehr als 250 Jahren, hatte eine Forschergruppe aus Leipzig festgestellt. Besonders betroffen: Landwirte, aber auch Hobby- und Freizeitgärtner. Wir sprachen mit Jörg Krüger (57), Landesgartenfachberater des Landesverbands Sachsen der Kleingärtner (LSK), über Strategien, wie man den Wetterkapriolen im Garten, auf Balkon oder Terrasse begegnen kann.

Jörg Krüger (57) ist Landesgartenfachberater des Landesverbands Sachsen der Kleingärtner.
Jörg Krüger (57) ist Landesgartenfachberater des Landesverbands Sachsen der Kleingärtner.  © privat

"Das Wetter entscheidet über alles. Der Gärtner lebt sehr eng mit dem Wetter, weil er zu 100 Prozent davon abhängig ist", sagt Jörg Krüger. "Der Gärtner versucht im möglichen Rahmen zu reagieren. Doch in Zeiten des Klimawandels wird das immer schwieriger, weil die Wetterextreme zunehmen. Und Extreme sind beim Anbau von Pflanzen immer ungünstig. Je mehr Extreme kommen, desto mehr Schäden hat man."

Die größte Herausforderung ist dabei die zunehmende Trockenheit, gepaart mit Hitze und hoher Strahlungsintensität. Die Pflanzen vertrocknen trotz Bewässerung. Denn nicht nur der Boden verdunstet Wasser, sondern auch die Pflanzen selbst.

"Wir beobachten in den letzten Jahren, dass, selbst wenn alles stimmt, die Pflanzen Wachstumsdepressionen bekommen, weil die UV-Strahlung einfach zu hoch ist", erklärt Krüger. Außerdem setzt die höhere UV-Strahlung dem Bodenleben zu und stört den Stoffwechsel in den Erdschichten. "Dadurch kommt es zur Verarmung der Böden."

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Ist der Boden zu trocken, kann er zudem nur schlecht Wasser speichern. Ein echtes Problem, wenn auf hohe Temperaturen plötzlich Starkregen folgt. Die großen Mengen Wasser versickern nicht, sondern fließen oberirdisch ab. Es kommt zur Erosion. Zusätzlich können Pflanzen ersticken, weil Wurzeln, die im Wasser stehen, keinen Sauerstoff mehr aufnehmen können.

Auch häufigere Sturm- und Hagelereignisse sind dem Klimawandel geschuldet. Sie beschädigen Pflanzen und ihre Früchte, lassen bereits geschwächte Bäume umstürzen. "Da hilft nur, den Garten so anzulegen, dass er den Pflanzen möglichst viel Schutz vor diesen Wetterextremen bietet", rät der Experte und hat auch gleich entsprechende Tipps parat.

Wetterschutz

Klar, dass man selbst gezogenes Gemüse besonders zu schätzen weiß. Schon wegen der Arbeit, die darin steckt.
Klar, dass man selbst gezogenes Gemüse besonders zu schätzen weiß. Schon wegen der Arbeit, die darin steckt.  © mariiaboiko/123RF

Um Pflanzen vor Wind zu schützen, helfen "entsprechend hohe Hecken", empfiehlt Jörg Krüger. Dafür eignen sich zum Beispiel Liguster, Garteneibisch oder Hainbuche. Sie sorgen dafür, dass der Wind nicht ungehindert durch den Garten blasen kann. Vielmehr verfängt sich der Wind in ihren Ästen und wird gebremst. Windbeständig sind auch Flieder, Forsythie, Deutzie, Schneeball oder Hartriegel. Auch auf der Terrasse oder dem Balkon kann man Windschutz-Gehölze pflanzen, am besten in einem großen Kübel oder Hochbeet. Auch Kletterpflanzen an Rankgittern erfüllen diese Funktion.

Auch gegen Hagel kann man seine Pflanzen wappnen. "Da gibt es zum Beispiel Netze, die man über kleine Obstbäume legen kann, um die heranwachsenden Früchte zu schützen", erklärt der Gartenfachberater.

Schattierung ist ebenfalls wichtig. So sollte es im Garten größere Bäume geben, die Halbschatten werfen. Über Gemüsebeete kann man zudem sogenannte Schattiernetze anbringen. Sie bestehen aus einem gestrickten Kunststoffgewebe und lassen nur noch einen Teil der Sonnenstrahlen durch. Auch Sonnensegel bieten diesen Schutz. "Sie schützen gleichzeitig vor Hagel oder Extremregen", meint Jörg Krüger. "Die Pflanzen wachsen darunter deutlich besser."

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Junge und mittelalte Bäume, insbesondere Obstbäume, sollten mit einem speziellen Weißanstrich geschützt werden, weil Weiß die Sonnenstrahlen reflektiert. Dies bewahrt den Baum im Winter vor Frostrissen und im Sommer vor "Sonnenbrand". "Im Sommer kommt es ohne Schutz unter der Rinde, wo sich das Wachstumsgewebe befindet, zu einer großen Erhitzung. Dadurch stirbt Gewebe ab und im schlimmsten Fall der ganze Baum", erläutert der Gartenexperte.

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Bodenpflege

Auf Rindenmulch aus dem Handel sollte man nur bedingt zurückgreifen, empfiehlt der Experte.
Auf Rindenmulch aus dem Handel sollte man nur bedingt zurückgreifen, empfiehlt der Experte.  © foodandmore/123rf

Damit der Boden auch bei Starkregen möglichst viel Wasser aufnehmen kann, braucht es einen "lockeren, unversiegelten Boden", sagt Jörg Krüger, also "so wenig Beton wie möglich im Garten". Außerdem sollte dem Garten viel organisches Material zugeführt werden, idealerweise vom eigenen Kompost. "Das macht den Boden grobporig und erhöht die Wasseraufnahmefähigkeit", erklärt er.

Genauso wichtig sei es, die Feuchtigkeit im Boden so lange wie möglich zu halten. Dafür sollte der Boden beschattet werden. Diese Aufgabe erfüllen zum Beispiel verschiedene Pflanzen, also Bäume, Sträucher, Stauden, Gemüse oder Bodendecker. Tief- und Flachwurzler sollten sich dabei abwechseln. Tipp des Experten: Im Gemüsebeet auf Mischkulturen setzen, also auch Blumen reihenweise zwischen das Gemüse pflanzen. "Damit hat man immer nur kurz leere Stellen, wo gerade geerntet wurde. Außerdem gibt es dadurch keine Bodenmüdigkeit, weil permanent Pflanzen und Gattungen wechseln."

Man kann den Boden aber auch mulchen, also Pflanzenmaterial wie Stroh (traditionell bei Erdbeeren), Grasschnitt, Äste, Gehäckseltes oder Grobkompost aufbringen, um ihn vor dem Austrocknen zu schützen. Dies sollte vornehmlich im Sommer und Herbst erfolgen. "Im Frühjahr will ich ja erstmal, dass der Boden warm wird und das verhindert das Mulchen", erläutert der Gartenfachberater aus Zittau.

Auf Rindenmulch aus dem Handel sollte man dabei nur bedingt zurückgreifen. Denn dieser entzieht dem Boden Stickstoff und macht ihn sauer. Dann muss nachgedüngt werden. Deshalb Rindenmulch am besten nur bei Beerensträuchern verwenden.

Um die Feuchtigkeit im Boden zu halten, kennt Jörg Krüger noch ein anderes altbewährtes Mittel: Häckeln. "Wasser steigt durch feine Röhren im Boden nach oben und verdunstet. Wenn man hackt, zerstört man die feinen Kapillaren. Dann gibt es einen Stau und die Verdunstung wird aufgehalten", erklärt er.

Positiver Nebeneffekt: Der Boden wird durchlüftet. Dadurch wird Sauerstoff in den Boden transportiert, den die Mikroorganismen dort benötigen. Zudem kann die großporige Bodenstruktur mehr Wasser aufnehmen.

Wassermanagement

Auch auf kleinsten Flächen macht das Gärtnern Spaß.
Auch auf kleinsten Flächen macht das Gärtnern Spaß.  © imago/Westend61

 "Wenn es nicht regnet, braucht es eine Bewässerung", sagt Jörg Krüger. Der einfachste und kostengünstigste Weg: Regenwasser in Regentonnen auffangen. Vorteil: Das Wasser ist wohltemperiert, sodass die Pflanzen keinen Kälteschock erleiden.

Mehr Speichervolumen, dafür aber teurer, bieten 1000-Liter-Tanks. Diese können im Kleingarten oberirdisch aufgestellt und begrünt werden. Wer einen großen Garten besitzt, kann auch über noch größere, unterirdische Zisternen nachdenken. Auch auf der Terrasse oder dem Balkon kann man Regenwasser mithilfe eines "Regendiebes" von der Dachrinne in einen Behälter leiten. Aber: Vorher den Vermieter fragen!

Fällt kein Regen, muss klug bewässert werden. So sollte in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden gegossen werden, damit das Wasser nicht sofort wieder auf den heißen Böden verdunstet. Außerdem gilt die Faustregel: 20 Liter auf einen Quadratmeter, etwa alle fünf bis sieben Tage, je nach Temperatur. Auf diese Weise werden auch tiefere Erdschichten befeuchtet. Kübelpflanzen sollten hingegen täglich, bei großer Hitze durchaus auch zweimal am Tag, gewässert werden.

Eine andere Variante ist die Tröpfchenbewässerung. Dafür bieten sich Perl- Schwitz- oder Tropfschläuche an. Günstiger und ganz ohne Schlauchsalat geht es mit sogenannten "Ollas". Die Tontöpfe werden eingegraben - ideal auch für Hochbeete - und geben kontinuierlich Wasser ab, wenn die Umgebung trocken wird. Praktisch: Auf diese Weise wird nur gegossen, wenn es auch wirklich nötig ist.

Eine große "Olla" kann so Pflanzen in einem Radius von 30 bis 40 Zentimetern bis zu einer Woche lang mit Wasser versorgen. Aber Achtung: Im Herbst unbedingt wieder ausgraben! Tontöpfe sind nicht frostfest. Für Kübel und Töpfe kann man statt "Ollas" Tonkegel benutzen, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren, aber kleiner sind.

So bauen Sie selbst eine "Olla"

Zwei gleich große oder minimal unterschiedliche Tontöpfe - je größer, desto mehr Wasser passt rein - mit ihren Öffnungen aufeinander stülpen und mit Fliesenkleber, Silikon oder Klebstoff zusammenkleben. Das untere Loch verschließen, zum Beispiel mit einem Fliesenstück oder einem passenden Korken. Durch das obere Loch Wasser einfüllen und Dichtigkeitstest machen.

Ist alles dicht, kann die "Olla" eingebuddelt werden. Das obere Loch dann ebenfalls mit einer Fliese oder einem Stein verschließen (nicht verkleben!). Den Wasserstand kann man mit einem Holzstäbchen prüfen.

Pflanzenauswahl

Viele Gemüsezüchtungen sind heute hitzeresistent.
Viele Gemüsezüchtungen sind heute hitzeresistent.  © IMAGO/Cavan Images

Trockenere Zeiten erfordern angepasstere Pflanzen. Unter den Stauden gibt es glücklicherweise einige Sonnenanbeter, die ohne Probleme trockene Zeiten überstehen. Dazu gehören zum Beispiel Fetthenne, Hauswurz und Mittagsblume, die in ihren dickfleischigen Blättern das Wasser speichern, oder der Woll-Ziest, der sich mit seiner "Behaarung" vor der Sonneneinstrahlung schützt.

So groß die Auswahl bei den Zierpflanzen ist, so problematisch ist sie bei den Kulturpflanzen. "Gemüse braucht immer eine gewisse Grundversorgung. Sonst erntet man nichts. Zwar gibt es anspruchslosere Arten wie die Zwiebel, aber die meisten Gemüse sind Mittel- oder Starkzehrer und brauchen viel Wasser und Nährstoffe", beschreibt Jörg Krüger.

Gemüsearten, die aufgrund ihrer langen Vegetationszeit mit gelegentlicher Trockenheit klarkommen, sind zum Beispiel Kürbis, Paprika, Zucchini, Kartoffeln, Zwiebeln, aber auch Wurzelgemüse wie Möhren oder Rettich, ebenso Weiß- und Rotkohl. Allerdings ist mit einer schlechteren Ernte zu rechnen. Blattgemüse wie Rucola, Spinat oder Salat vertragen hingegen gar keine Trockenperioden. Auch Radieschen, Gurken und Kohlrabi gehen dann schnell ein.

Der Tipp des Experten: "Die Züchtung von neuen Sorten geht natürlich auch in Richtung Trockenresistenz. Aber besser sind, und das ist leider verloren gegangen, die alten regional angepassten Gemüsesorten." Diese seien hitze- und stressverträglicher und an die regionalen Bedingungen angepasst. Wer zum Beispiel die "Dresdner Plattrunde" (Zwiebel) oder den "Bautzner Dauerkopf" (Salat) anbauen möchte, muss auf einer der wenigen Saatgut-Tauschbörsen, bei Verbrauchergemeinschaften oder in ausgewählten Bioläden Ausschau halten.

Fündig wird man zum Beispiel auch hier: www.johannishöhe.de.

Mikroklima

Kinderarbeit? Eher ein frühes Heranführen an die Wunder der Natur.
Kinderarbeit? Eher ein frühes Heranführen an die Wunder der Natur.  © IMAGO/Cavan Images

Um das Klima im eigenen Garten, also das Mikroklima, zu verbessern, hilft zum Beispiel ein Gartenteich.

"Teiche sind im Sinne der Artenvielfalt und für das Mikroklima toll", zeigt sich der Experte begeistert. "Sie fördern viele Insekten und die Luft in der Umgebung ist feuchter und damit kühler." Für kleine Gärten eignen sich auch Sumpf- bzw. Sickerbeete, die über die Dachrinne mit Regenwasser gespeist werden.

Vorteil: Sumpfpflanzen sind wechselfeuchte Pflanzen. Sie können im Wasser stehen, überleben aber auch Trockenzeiten. Vor allem aber produzieren sie Verdunstungskälte.

Für kühlere Luft sorgen auch Kletter- und Rankpflanzen, beispielsweise an der Laube oder der Hauswand. Sie geben nicht nur Wasserdampf ab, sondern verhindern mit ihrer Schattierung auch die Aufheizung der Wände. "Wenn man vorzugsweise auch noch etwas ernten kann, umso besser", sagt der Gartenfachberater und rät zu Wein, Kiwi oder Gemüsearten wie Inkagurke und Bohnen, die ebenfalls nach oben wachsen.

Nach dem gleichen Prinzip funktionieren übrigens auch begrünte Dächer.

Titelfoto: privat

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