Wie Kaugummi und Silikon: Leimpaste wird zur Todesfalle für Vögel

Von Anke Brod

Leipzig - Es ist ein langsamer, qualvoller Tod: Leimfallen für Insekten sind in Deutschland frei verkäuflich. Jetzt wurde die zähe Masse allerdings fünf Blaumeisen zum Verhängnis.

Diese Bilder sind nur schwer auszuhalten: In diesem Zustand fanden die Wildvogelhelfer die kleinen Blaumeisen vor.
Diese Bilder sind nur schwer auszuhalten: In diesem Zustand fanden die Wildvogelhelfer die kleinen Blaumeisen vor.  © Montage: Wildvogelhilfe Leipzig

TAG24 sprach mit Karsten Peterlein (49) von der Leipziger Wildvogelhilfe über den traurigen Vorfall. Die Vögel hatten sich demnach in einem Garten an einer Leimfalle ihr Gefieder verklebt und landeten danach in der Station der Wildvogelhilfe.

"Ein Tier ist kurz nach Ankunft verstorben", schilderte Peterlein. Eine weitere Blaumeise sei schon am Fundort tot gewesen.

"Jetzt kämpfen wir um vier kleine, wehrlose Geschöpfe", lautete die bittere Realität bei den Helfern.

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Der Kleber sitze fest im Gefieder. Er sei zäh klebend, wie eine Mischung aus Kaugummi und Silikon, erklärte Peterlein. Das erfordere mehrere schonende Waschgänge - eine aufwendige Prozedur!

Raupenleim frei verkäuflich

Sogenannter Raupenleim ist hierzulande als "umweltfreundliche Methode" zur Schädlingsbekämpfung frei erhältlich. Die Wildvogelhilfe appelliert nun an Bau- und Gartenmärkte, auf den Verkauf zu verzichten.
Sogenannter Raupenleim ist hierzulande als "umweltfreundliche Methode" zur Schädlingsbekämpfung frei erhältlich. Die Wildvogelhilfe appelliert nun an Bau- und Gartenmärkte, auf den Verkauf zu verzichten.  © Montage: Wildvogelhilfe Leipzig

Leim gegen Insekten wird in Bau- und Gartenmärkten oder online als "umweltfreundliche Methode" zur Schädlingsbekämpfung an Obstbäumen verkauft. So sollen vor allem die Raupen des Kleinen Frostspanners nicht in die Baumkronen klettern können.

In intakter Natur stelle sich, so Peterlein weiter, indes meist ein Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen ein. Schädlingsbekämpfung sei dann überflüssig. So gebe es etwa insektenfressende Vögel.

Die betroffene Gärtnerin habe den Leim gleich abgegeben. So kann zumindest dieser keine weiteren Tiere - auch geschützte Arten - mehr töten. Die Wildvogelhilfe appelliert vehement an Bau- und Gartenmärkte und den Onlinehandel, auf den Verkauf dieser gefährlichen Produkte zu verzichten.

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Peterlein: "Wir werden zudem den Hersteller auf diese Gefahren hinweisen und ihn ebenfalls auffordern, den Verkauf zu unterlassen."

Titelfoto: Montage: Wildvogelhilfe Leipzig

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