XXL-Bauruine statt Luxus: Früheres DDR-Vorzeigehotel verliert weiter seinen Glanz
Leipzig - Wieder ist ein Jahr vergangen, wieder hat sich offenbar ein Jahr lang nichts getan auf der Baustelle am berühmten Astoria Hotel in Leipzig. Gebäude und Gelände verfallen zusehends und werden zum regelrechten Schandfleck in der sonst so modernen Innenstadt.
Die einzige Entwicklung, die man vor einigen Wochen beobachten konnte: Einige Baugerüste wurden entfernt. Diese seien nicht mehr notwendig, sagte ein Unternehmenssprecher der Eigentümer-Firma Vivion auf Nachfrage von TAG24.
Demnach seien die denkmalgeschützten Teile des Hotels stabil genug. Und die Gerüste kosten Geld, das so eingespart werden könne.
Sonst sucht man Bagger, Bauarbeiter und Co. auf dem Astoria-Gelände nach wie vor vergeblich. Dabei sollte die 2023 erteilte Baugenehmigung für ein kleineres Hotel mit 120 Zimmern sowie Wohnungen gültig sein.
In den Jahren zuvor hatte der Betreiber des Best West Hotels nebenan mehrfach Widerspruch gegen das zunächst geplante 250 Zimmer fassende Hotel eingelegt. Die Pläne hatten sich deshalb mehrfach geändert.
"Wir sind in den Gesprächen mit potenziellen Nutzern, die das Hotel und unter Umständen einen Teil der Wohnungen als Service-Apartments betreiben", so der Sprecher. Ziel sei außerdem, dass einige Wohnungen frei am Markt vermietet werden.
Zwar dauere alles etwas länger als geplant, "aber manche Dinge brauchen einfach Zeit". Zeit, in der das Gelände immer unansehnlicher wird. Viele Touristen kommen am Hauptbahnhof an, verlassen das Gebäude und sehen sich der oft nur teilweise verhüllten Ruine gegenüber - schön ist anders.
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Stadt Leipzig hat keine Kenntnis über Beginn der Bauarbeiten
Sollten die Bauarbeiten irgendwann wieder vorangehen, soll das Astoria ein Drei- bis Vier-Sterne-Businesshotel mit Konferenzbetrieb werden. Als Betreiber dafür sollen derzeit drei Bewerber im Rennen sein, mit denen die Verhandlungen laufen.
Doch wann geht es endlich weiter? "Wir haben jetzt freie Bahn, anzufangen. Der Plan ist, kurzfristig im Laufe der nächsten Monate dort Farbe zu bekennen und beginnen", lässt sich der Sprecher keine detaillierten Infos über einen möglichen Zeitplan entlocken. "Wir versuchen es noch in diesem Jahr."
Die Stadt Leipzig scheint aktuell zumindest keine Kenntnis über einen Start der Bauarbeiten zu haben. "Baubeginn wurde weder für das Vorhaben Hotel Astoria noch für das Wohnbauvorhaben Astoria Living angezeigt. Neue Bauanträge liegen nicht vor", heißt es dazu vom Amt für Bauordnung und Denkmalpflege. Die Situation sei unverändert.
Demnach erfolgen aber regelmäßige Begehungen, um den Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes zu kontrollieren.
Den Verfall des Grundstücks bemängelten im Leipziger Stadtrat mehrfach auch CDU und AfD, die von der Stadt verlangten, das Baugebot auszusprechen und den Eigentümer so zum schnellen Handeln zu verpflichten.
Das Amt dazu: "Die Möglichkeit eines Modernisierungs- und Instandsetzungsgebotes gem. § 177 (1) BauGB wurde von der Ratsversammlung zuletzt im April 2026 abgelehnt."
Es scheint, als bleibe das Astoria wohl weiterhin erst mal eine Großbaustelle, anstatt wieder Gäste aus aller Welt zu begrüßen. Sowohl den Leipzigern als auch den Besuchern der Stadt wäre es sicher lieber, wenn sich hier endlich etwas tut.
Titelfoto: Christian Grube

