Denkmal für Femizid-Opfer in Leipzig: AfD sorgt bei Debatte für Entsetzen

Leipzig - Recherchen der Gruppe "#KeineMehr" zufolge sind in Leipzig seit 2011 mindestens zwölf Frauen Opfer eines sogenannten Femizids geworden. Mit einem Denkmal will die Messestadt nun an die Opfer erinnern.

Leipzigs Stadtrat befasste sich am Mittwoch mit der Errichtung eines Denkmals für die Opfer von Femiziden. Der Antrag wurde schließlich beschlossen, allerdings nicht ohne vorher von der AfD für die eigenen Zwecke benutzt zu werden.
Leipzigs Stadtrat befasste sich am Mittwoch mit der Errichtung eines Denkmals für die Opfer von Femiziden. Der Antrag wurde schließlich beschlossen, allerdings nicht ohne vorher von der AfD für die eigenen Zwecke benutzt zu werden.  © Sebastian Willnow/dpa

Während der Stadtratssitzung am Mittwoch nutzte die AfD jedoch die Debatte um das Mahnmal, um auf die eigene Agenda aufmerksam zu machen.

"Wir sollen Frauen gedenken, die Femiziden zum Opfer gefallen sind. Damit vertreten Sie ureigene AfD-Politik", sagte Stadtrat Roland Ulbrich in Richtung der Antragstellerinnen Mandy Gehrt und Beate Ehms (beide Die Linke). "Denn nichts anderes sagt die AfD-Politik, wenn seit Jahren frauenhassende Männer ins Land gespült werden."

Natürlich bringe jede Gesellschaft Gewalttäter hervor, so Ulbrich weiter. "Auch eine zivilisierte wie die deutsche. Die Rede ist hier jedoch von importierter Gewalt und das nicht erst seit 2015."

Unfall auf der B181: Mindestens eine Person verletzt
Leipzig Unfall Unfall auf der B181: Mindestens eine Person verletzt

Das Denkmal selbst bezeichnete der AfD-Stadtrat als ein falsches Zeichen. "Die Verbrechen müssen verhindert werden und das, indem man Migration unterbindet."

Den Antrag selbst lehnte Ulbrich im Namen seiner Fraktion ab.

Jeden Tag ein versuchter Mord

Seit 2011 sollen in Leipzig mindestens zwölf Frauen Opfer eines Femizids geworden sein. Unter ihnen: Dorin V. (43), die im Dezember 2021 von Marcus W. (40) ermordet wurde. Beide hatten sich über eine Datingplattform kennengelernt.
Seit 2011 sollen in Leipzig mindestens zwölf Frauen Opfer eines Femizids geworden sein. Unter ihnen: Dorin V. (43), die im Dezember 2021 von Marcus W. (40) ermordet wurde. Beide hatten sich über eine Datingplattform kennengelernt.  © privat

Die Aussagen sorgten für Entsetzen und Empörung während der Sitzung. Selbst Oberbürgermeister Burkhard Jung (64, SPD) konnte seinen Unmut über das Gesagte nicht verbergen, entgegnete: "Es ist schwer zu ertragen."

Grünen-Stadtrat Norman Volger entgegnete darauf in Richtung der AfD: "Wir haben hier einen Antrag, in dem wir der Opfer gedenken wollen, und Sie schaffen es noch, in Ihrer Rede auf den Gräbern der Opfer zu tanzen. Können Sie nicht ein wenig Pietät beweisen? Hier sind Menschen gestorben und Sie ziehen das in den Dreck!" FDP-Stadtrat Sven Morlok bezeichnete Ulbrichs Äußerungen als "dummes Zeug".

Zu Beginn der Debatte hatte Antragstellerin Beate Ehms den Mord an Dorin V. (†43) im Dezember 2021 aufgegriffen. Ihr Mörder, der 40-jährige Marcus W., muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Die Anklage: reine Rachsucht. W. habe Dorin V. bestrafen wollen, weil er sie nicht als Partnerin haben konnte.

Nach Schießerei in der Leipziger Eisenbahnstraße: Haftbefehl gegen 29-Jährigen erlassen
Eisenbahnstraße Leipzig Nach Schießerei in der Leipziger Eisenbahnstraße: Haftbefehl gegen 29-Jährigen erlassen

Als Femizide werden Morde an Frauen und Mädchen allein aufgrund ihres Geschlechts bezeichnet. "Laut Statistik versucht jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu ermorden", so Ehms. "Alle drei Tage gelingt es."

Der Antrag auf die Errichtung des Denkmals wurde schließlich mehrheitlich beschlossen.

Titelfoto: Montage: Sebastian Willnow/dpa + privat

Mehr zum Thema Leipzig Politik: