Leipzig will Beamtendeutsch vereinfachen und streitet sich mal wieder übers Gendersternchen

Leipzig - Deutsche Sprache, schwere Sprache. Vor allem, wer schon einmal mit Behörden zu tun hatte, kann davon ein Lied singen. Leipzigs Ratsversammlung will dies nun ändern und das Beamtendeutsch vereinfachen. Natürlich ging das nicht, ohne mal wieder aufs Gendern einzugehen.

AfD-Stadtrat Marius Beyer wollte mit der vereinfachten Sprache auch gleich das Gendersternchen aus Amtstexten verbannen, sprach dabei von einer "Vergewaltigung der Sprache".
AfD-Stadtrat Marius Beyer wollte mit der vereinfachten Sprache auch gleich das Gendersternchen aus Amtstexten verbannen, sprach dabei von einer "Vergewaltigung der Sprache".  © Screenshots/Stadt Leipzig

Es ist ein Antrag, der wohl allen Menschen entgegenkommt, die schon einmal mit Amtsdeutsch in Berührung kamen: Bis Herbst dieses Jahres soll die Stadt Leipzig ein Gesamtkonzept zur Einführung von einfacher und leichter Sprache in der Verwaltung erarbeiten. So ein Vorschlag der Grünen, der am Mittwoch in der Ratsversammlung diskutiert wurde.

Auch bei Leipzigs Stadträten kam die Idee gut an. Die Mehrheit stimmte letztlich für dessen Umsetzung, nachdem ein paar Änderungen vorgenommen wurden.

Dabei wurden auch Ergänzungen des Behindertenbeirats berücksichtigt, nach denen die Übersetzungen in Leichte Sprache künftig nach den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache erfolgen sollen. So weit, so gut.

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Denn für die AfD sollte es mit Leichter Sprache nicht genug sein. Auch die Rechtspopulisten hatten Ergänzungen eingereicht. Dabei ging es jedoch nicht um die Vereinfachung des Beamtendeutschs. Stattdessen wurde einmal mehr gefordert, auf Gendersternchen (Asterisk), Gender-Gap (Unterstrich) und Co. zu verzichten.

Die Stadtverwaltung würde sich ja ohnehin schon um einfache Ausdrucksweise bemühen, erklärte dann auch AfD-Stadtrat Marius Beyer in seiner Rede zum Änderungsantrag. Er sprach von einer "Vergewaltigung der Sprache", beklagte, dass im Antragstext der Grünen von Leipziger*innen und Bürger*innen die Rede war.

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FDP-Mann Sascha Matzke ging das Gerede schließlich zu weit. "Eine Vergewaltigung der Sprache gab es schon, da gab es den Volksempfänger", konterte er.
FDP-Mann Sascha Matzke ging das Gerede schließlich zu weit. "Eine Vergewaltigung der Sprache gab es schon, da gab es den Volksempfänger", konterte er.  © Screenshots/Stadt Leipzig

Ganz allein war die Rechtsaußen-Fraktion mit ihrer Forderung dabei nicht. Auch die CDU wollte auf die gendergerechte Sprache zumindest bei den vereinfachten Texten verzichten. "Ich bin der Auffassung, es sollte generell weggelassen werden. Hier hat es aber wirklich keinen Platz", so Stadträtin Andrea Niermann.

Was AfD und CDU dabei anscheinend nicht beachtet hatten: Der Grünen-Antrag war auch in einer Version in Leichter Sprache eingereicht worden - in der bereits im Sinne der Vereinfachung auf die gendergerechte Schreibweise verzichtet worden war.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Krefft wies die Stadträte schließlich darauf hin und betonte, dass die übersetzte Variante online für alle sichtbar zur Verfügung stehe. "Sie hätten sich die Mühe machen können, einfach reinzugucken."

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FDP-Stadtrat Sascha Matzke ließ die Aussagen von Marius Beyer damit jedoch nicht auf sich beruhen, betonte, dass es hierbei um Leichte Sprache und nicht ums Gendern gehe.

"Wenn Sie hier von Vergewaltigung der Sprache sprechen, ganz ehrlich: die gab es schon, da gab es den Volksempfänger. [...] Die Debatten, die hier geführt werden und die Beiträge verlangen es eigentlich, dass man den Saal verlässt."

Titelfoto: Montage: Screenshots/Stadt Leipzig

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