Umweltverbände entsetzt: Stadt will Vogelwald opfern, damit RB Leipzig wachsen kann

Leipzig - In Leipzig bahnt sich ein massiver Konflikt zwischen Stadtverwaltung und Umweltverbänden an. Hintergrund ist die Entscheidung der Stadt, dem Bundesligisten RB Leipzig ein ganzes Waldstück für die Erweiterung seines Trainingsgeländes zu veräußern. Damit würde ein Vogelschutzgebiet der Kettensäge zum Opfer fallen, das eigentlich Teil des neuen Biotopverbundkonzeptes sein sollte.

Bald freier Blick auf neue Trainingsanlagen? Vis-à-vis der neuen Geschäftsstelle von RB Leipzig liegt der Wald, der gerodet werden soll.  © Alexander Bischoff

Als die Pressemeldung der Stadt Leipzig am heutigen Mittwochmorgen über den Ticker lief, musste nicht nur Leipzigs NABU-Chef René Sievert (53) nach Luft ringen.

Um dem Fußballprojekt RB Leipzig weiteres Wachstum zu ermöglichen und gleichzeitig die traditionelle Kleinmesse-Kirmes am Ort zu erhalten, wolle die Stadt dem Bundesligisten eine 57.000 Quadratmeter große Fläche westlich des Festplatzes zum Kauf anbieten, hieß es.

Bei der besagten Fläche handelt es sich um ein geschlossenes Waldstück, um dessen Schutzstatus die Leipziger Umweltverbände seit Jahren kämpfen. "Das gehört zum Vogelschutzgebiet und ist ein wertvolles Verbindungsstück zwischen nördlichem und südlichem Auwald", erklärt NABU-Chef Sievert.

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Bei der Brutvogelkartierung 2023 seien dort 38 Vogelarten nachgewiesen worden, darunter streng geschützte Exemplare wie Kleinspecht, Star und Sperber.

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Hinter den Trainingsplätzen von RB Leipzig zieht sich ein Waldband vom nördlichen zum südlichen Auwald, in dem der NABU 38 Vogelarten nachgewiesen hat. Jetzt soll das grüne Band samt Vogelbestand der Erweiterung des Fußball-Standortes weichen.  © Alexander Bischoff

Und plötzlich verschwindet das Biotopverbundkonzept aus dem Stadtrat

Das betroffene Waldgebiet liegt westlich des Festplatzes und gehörte früher zu einer Kleingartenanlage, die in den 1990er-Jahren aufgegeben wurde.  © Screenshot/Google Maps

Besonders perfide: Im Februar sollte im Stadtrat über ein Biotopverbundkonzept entschieden werden, in dem auch das jetzt zur Diskussion stehende Waldstück aufgeführt war. Biotope sollten bei der Stadtentwicklung besser geschützt werden, erklärte Leipzigs grüner Bau-Bürgermeister Thomas Dienberg (64) damals vollmundig.

Doch plötzlich verschwand das Thema still und leise von der Tagesordnung des Rates. Sievert: "Den Grund haben wir Naturschutzverbände damals nicht erfahren – jetzt wissen wir, warum ..."

Jahrelang hatten Leipzigs Umweltverbände für dieses Konzept gekämpft, eine 2019 gestartete Petition mit Namen "Bauen und Natur erhalten" unterschrieben über 6000 Leipziger.

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"Der Flächenverbrauch in der Stadt hat seit 2018 drastisch zugenommen, alles wird bebaut und versiegelt – was ein massiver Verlust von Lebensraum bedeutet", beklagt der NABU-Chef. Dass nun auch noch ein ganzes innerstädtisches Waldstück dem Expansionsdrang eines kommerziellen Fußballprojektes weichen soll, macht ihn fassungslos.

Registriert seit Jahren die Vernichtung natürlicher Lebensräume in Leipzig: NABU-Chef René Sievert (53).  © Alexander Bischoff
Auch der seltene Kleinspecht brütet laut NABU-Kartierung in dem betroffenen Waldstück.  © IMAGO/Zoonar

Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal: "Ein großer Gewinn für die Stadt und den Sport"

Wollen den Vogelwald für die Expansion des kommerziellen Fußballs und die Kleinmesse opfern: Leipzigs linker Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal (51, l.) und Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (51, CDU).  © Bildmontage: Picture Point/Gabor Krieg ; Jan Kaefer

Im Rathaus ist man sich der Brisanz bewusst, versucht die Sache aber herunterzuspielen.

"Auch wenn für diese Lösung die Rodung eines Gehölzbestandes entlang der Capastraße notwendig wird, bin ich fest davon überzeugt, dass insgesamt damit ein großer Gewinn für die Stadt und den Sport in Leipzig einhergeht", erklärte Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal (51, Linke).

Und Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (51, CDU) nennt das Waldopfer "eine pragmatische und wirtschaftlich überzeugende Lösung für alle Beteiligten". Gemeint sind damit RB Leipzig und die Kirmes-Veranstalter.

Allerdings: Das letzte Wort bei diesem Flächen-Deal hat der Stadtrat. Während Clemens dort für das Konzept werben will, planen die Umweltverbände laut Sievert noch mal einen Vorstoß für den Biotopverbund.

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