Rätselraten um Leipziger Klebe-Desaster: Eine Gleis-Hälfte besonders stark betroffen
Leipzig - Zwar hat der Start in die neue Woche spürbar für Abkühlung gesorgt, doch auf den Schienen der Leipziger Straßenbahn fahren auch am Donnerstag nur vereinzelt wieder Trams. Am Mittwoch beschäftigte sich nun der Stadtrat mit der vergangenen Hitzewelle und ihren Folgen für Menschen, Umwelt und Infrastruktur. So fanden sich gleich drei "Dringliche Anfragen" zu diesen Themen auf der Tagesordnung.
Baubürgermeister Thomas Dienberg (64, Grüne) widmete sich zunächst der am Samstagabend durch die Leipziger Verkehrsbetriebe verkündeten vollständigen Einstellung des Straßenbahnverkehrs.
"Die Analyse und die Bewertung, dessen, was da konkret passiert ist, hat natürlich erst begonnen", erklärte Dienberg einleitend. Nach derzeitigem Stand hätten die außergewöhnlich hohen Temperaturen dafür gesorgt, dass an Schlüsselstellen die Bitumen-Fugengussmasse flüssig wurde, und durch die darüberfahrenden Straßenbahnen herausgedrückt worden war.
Im Anschluss habe sie dann Schienen, Weichen und vor allem Fahrgestelle verklebt, sodass ein sicherer Betrieb nicht mehr möglich gewesen sei. Gegenwärtig ergebe sich ein sehr uneinheitliches Schadensbild, sagte der Baubürgermeister. So seien verschiedene Streckenabschnitte, je nach Alter und Bauart, unterschiedlich schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.
"Eine Besonderheit ist, dass zu über 90 Prozent die linke Gleis- und Fahrzeugseite betroffen war", so Dienberg. Die LVB hätten nun dringliche Gutachten in Auftrag gegeben, welche unter anderem die Frage klären sollen, ob die an den Schadstellen verbaute Fugenmasse den geforderten Standards entsprochen habe. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung wolle man zeitnah über die Ergebnisse informieren.
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Zahl der hitzebedingten Rettungseinsätze spürbar gestiegen
Heiko Rosenthal (51, Linke), Leipzigs Bürgermeister für Umwelt, Ordnung und Sport, widmete sich im Anschluss den weiteren Folgen der Hitzewelle.
"Aus Sicht der Branddirektion hatten wir hitzebedingte Mehreinsätze von 20 bis 30 Prozent", erklärte Rosenthal. Auch das Klinikum St. Georg habe am Montag ein um 20 Prozent gestiegenes Patientenaufkommen gemeldet. Auffällig sei dabei vor allem die Zahl dehydrierter älterer Menschen gewesen.
Unter der enormen Hitze hätten zudem auch die Bewohner des Leipziger Wildparks gelitten: "Wir haben eine erhebliche Erschöpfung im Tierbestand feststellen müssen", so der Umweltbürgermeister. Die Tiere seien durch die Mitarbeiter zusätzlich bewässert worden.
Doch nicht nur im Wildpark sorgten die hohen Temperaturen für eine große Nachfrage nach kühlem Nass: Auch die Stadtwerke verzeichneten am vergangenen Wochenende mit 132.000 Kubikmetern abgegebenem Wasser den "mit Abstand" bisherigen Tageshöchstwert aller Zeiten.
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa
