Sensations-Fund in Sachsen: Archäologische Entdeckung lässt Forscher rätseln

Frohburg - Spektakulärer Fund im Landkreis Leipzig: Bei Bauarbeiten auf der Burg Gnandstein in Frohburg haben Forscher ein merkwürdiges, kolbenförmiges Gefäß entdeckt. Laut dem sächsischen Landesamt für Archäologie (LfA) deutet vieles darauf hin, dass auf der Burg im späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit alchemistische Experimente stattgefunden haben.

Das Keramikgefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert.  © PR/Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen

Gnandstein gilt als Sachsens besterhaltene romanische Wehranlage. Die Burg entstand im frühen 13. Jahrhundert und wurde zwischen 1994 und 2004 umfassend saniert.

Bei weiteren Bauarbeiten wurde nun kürzlich eine rund 30 Quadratmeter große Ziegelsteinpflasterung eines Fußbodens aus der frühen Neuzeit (1500 bis 1800) freigelegt. Unter den grün glasierten Fliesen entdecken die Wissenschaftler dann das besondere Fundstück: ein hohes, kolbenförmiges Gefäß mit drei Standfüßen und einem geraden, steilen Hals.

Laut dem LfA handelt es sich dabei zweifelsfrei um einen Destillierkolben, der aller Wahrscheinlichkeit alchemistischen Zwecken diente.

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"Obwohl Alchemie nicht selten mit Goldmacherei oder Scharlatanerie gleichgesetzt wird, handelte es sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auch um das Erforschen von Phänomenen und Naturwissenschaften", erklärt das Landesamt.

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Die Burg steht oberhalb des Flusses Wyhra in Gnandstein, einem Ortsteil der Stadt Frohburg, im Landkreis Leipzig. (Archiv)  © Jan Woitas/dpa

Schwefelsäure und Kräuterextrakte

Anfang der 1990er Jahre begannen archäologische Grabungen im Turm- und Zwingerhof. Seit 1992 untersteht die Burg der Verwaltung Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens. (Archiv)  © TAG24/Jan-Gerrit Vahl

Neben Schwefel- oder Salpetersäure, die etwa im Berg- und Hüttenwesen Verwendung fanden, fertigten die Alchemisten auch Extrakte aus Kräutern, Blättern, Samen und Früchten.

Nicht selten wurde aber auch Wein zu Branntwein destilliert: "Durch die anschließende Zugabe von Drogen aller Art nach der Destillation stellte man so vermeintlich heilende Tinkturen her", heißt es.

Da man annahm, dass Metallgefäße womöglich Giftstoffe freisetzen, verwendete man damals für solche Verfahren vorwiegend Glas- oder Keramikgefäße.

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Da in dem nun auf Gnandstein gefundenen Kolben jedoch keine Rückstände gefunden wurden, bleibt die Frage, ob in der Burg tatsächlich ein Labor betrieben wurde, vorerst ein Rätsel.

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