Tragödie in Leipzig: Wie Familienvater Jeffrey K. zum Amok-Mörder wurde

Leipzig - Es ist ein Bild, das die Liebe und Geborgenheit einer Familie kaum besser zum Ausdruck bringen kann. Es zeigt Amok-Fahrer Jeffrey K. (33) mit Frau und Sohn, etwa vier Monate nach der Geburt des Jungen. Was ist passiert, dass dieser Familienmensch sein Auto als Waffe nimmt, um damit möglichst viele Menschen zu töten? Versuch eines Psychogramms.

Da waren sie noch glücklich. Jeffrey K. (33) mit Söhnchen auf dem Arm und seiner großen Liebe Susan (41).  © privat

Bis zu Beginn dieses Jahres schien die Welt von Jeffrey K. noch in Ordnung - zumindest äußerlich. Bekannte berichten, dass der Amateurboxer (Leichtgewicht) einerseits ein liebender Vater und verständiger Kinder-Trainer war, andererseits aber schnell unbeherrscht und aggressiv werden konnte. Zudem sollen den Leipziger, der als Haustechniker arbeitete, starke Verlustängste geplagt haben.

Dreieinhalb Jahre nach der Geburt des heute fünfjährigen Sohnes heiratete Jeffrey K. seine große Liebe Susan (41). Doch die auf dem Papier noch bestehende Ehe hielt nur bis Anfang 2026.

Wie Bekannte berichteten, zog Susan, genervt von den Eifersuchtsanfällen und Bedrohungen ihres Mannes, Anfang März aus der gemeinsamen Wohnung in Leipzig-Lindenau aus und flüchtete mit dem Kind in die Anonymität eines Plattenbauviertels.

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Von da an habe sich Jeffrey K. zu einem "Psycho" gewandelt, erfuhr TAG24 aus seinem Freundeskreis. Er habe erst gegen seine Frau und deren Eltern, später dann gegen "Gott und die Welt" wüste Drohungen ausgestoßen, sei kaum noch in der Lage gewesen, seiner Arbeit nachzugehen, und habe selbst seinen geliebten Sport schleifen lassen.

Während der Boxer bis dahin nicht als Straftäter bekannt war, gab es nun aus dem familiären Umfeld Anzeigen wegen Bedrohungen, wie aus Polizeikreisen zu erfahren war.

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Polizei befürchtete nach Amokfahrt Schlimmstes bei Frau und Sohn

Ein Bild aus besseren Tagen: Amateurboxer Jeffrey K. (M.) freut sich mit Sportkameraden über einen gewonnenen Pokal.  © privat

Am 17. April waren die telefonischen Drohungen gegen seine Frau und deren Eltern so extrem, dass die Polizei bei Jeffrey K. anrückte. Mit seiner Zustimmung sei er dann von den Beamten in das Landesfachkrankenhaus Altscherbitz gebracht worden, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag informierte.

Das Sozialministerium erklärte auf Anfrage, dass sich K. "auf eigenen Wunsch freiwillig" in der Klinik stationär aufgehalten habe. Nach kurzem Aufenthalt sei er am 29. April wieder entlassen worden - ebenfalls auf eigenen Wunsch.

Während der Zeit in der Klinik hätte keine Eigen- oder Fremdgefährdung bestanden, so das Ministerium, sodass keine medizinischen Gründe vorgelegen hätten, den Patienten gegen seinen Willen festzuhalten.

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Vier Tage lang geisterte der schwer angeschlagene Mann dann in Leipzig herum, versuchte dabei immer wieder, an Frau und Kind heranzukommen. Erneut soll es dabei zu heftigen Bedrohungen gekommen sein. Am Montag schließlich brannten bei Jeffrey K. alle Sicherungen durch - er setzte sich in sein Auto und fuhr los, um wahllos zu töten.

Als die Polizei nach der Wahnsinnstat den Namen des Fahrers erfuhr, rasten Beamte sofort los, um nach Mutter und Kind sowie deren Eltern zu schauen. Sie befürchteten Schlimmstes. Als sie alle Personen lebend antrafen, fiel den Polizisten ein riesiger Stein vom Herzen.

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