"Der Barbier von Sevilla": Stehende Ovationen für Opernkracher in Magdeburg!
Magdeburg - Am Samstagabend feierte das Theater Magdeburg die Premiere des komischen Opernklassikers "Der Barbier von Sevilla". Am Ende des Abends sprangen die Zuschauer begeistert aus ihren Sitzen - und das aus gutem Grund.
Zum Inhalt: Graf Almaviva kommt nach Sevilla und verliebt sich sofort unsterblich in Rosina - und sie sich in ihn! Doch Rosinas Vormund Doktor Bartolo kommt den Liebenden ständig dazwischen.
Almaviva heckt mit seinem Freund, dem Barbier Figaro, einen Plan aus, um Bartolo hinters Licht zu führen und Rosina zu heiraten.
Die neue Interpretation von "Der Barbier von Sevilla" stammt aus der Feder von Jean-Francois Sivadier und feierte erstmals 2013 in Lille (Frankreich) Premiere. Jetzt läuft die - zurecht - gefeierte Inszenierung auch in Magdeburg.
Sivadier nimmt den sowieso humorvollen Opernklassiker und verwandelt ihn in ein regelrechtes Comedy-Juwel. Die Rollen werden alle klar und einzigartig herausgearbeitet, wodurch neben all den Lachern auch eine unterschwellige Tiefgründigkeit gut zur Geltung kommt.
Die zunächst recht karg aussehende Bühne wird mit vertikalen Holzelementen ausgekleidet, die, je nach Szene, scheppernd in sich zusammenfallen oder sich zu Wänden eines Raumes aufbauen können.
"Der Barbier von Sevilla" überzeugt in Magdeburg mit Spitzen-Ensemble
Das Ensemble ist in absoluter Topform - muss es aber auch sein, denn die Erwartungen sind hoch beim Publikum.
Dogukan Kuran spielt den Barbier Figaro ulkig und gleichzeitig so charmant und tut, was getan werden muss: "Largo al factotum", wohl die bekannteste Arie dieser Oper, bringt Kuran mit seinem glatten Bariton zu absoluter Perfektion!
Am Premierenabend sang Francisco Brito den Graf Almaviva nicht nur mit einem fabelhaften Tenor, sondern er ergänzte sich perfekt sowohl mit Kuran, als auch mit Weronika Rabek, die ganz hervorragend als Rosina zu sehen war.
Rabek fliegt anmutig durch die vielen Koloraturen und spielt Rosina als willensstarke und verschmitzte junge Frau. Ein Überraschungs-Hingucker des Opernabends war aber definitiv David Howes' fabelhafter Doktor Bartolo, der sich durch seine phänomenale Darbietung Szenenapplaus abholen darf, der einfach nicht mehr aufhört.
Ist "Der Barbier von Sevilla" einen Besuch wert?
Unterstützt wird das großartige neunköpfige Ensemble von einem gut platzierten Herrenchor und dem erstklassigen Orchester der Magdeburger Philharmonie.
Fazit: Es gibt Musikstücke, die jeden Zuschauer daran erinnern, warum man Opern so sehr liebt - und "Der Barbier von Sevilla" ist eine davon.
Das Theater Magdeburg schindet mit dieser urkomischen, verschmitzten und liebevollen Inszenierung des Opernkrachers schwer Eindruck und darf sich, nicht zuletzt wegen des hervorragenden Ensembles, über stürmische und langanhaltende Ovationen freuen.
Weitere Vorstellungen findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.
Titelfoto: Bildmontage: Theater Magdeburg/Nilz Böhme

