"Die schmutzigen Hände" am Theater Magdeburg: An Aktualität nicht zu übertreffen
Magdeburg - Am Freitagabend feierte das Theater Magdeburg Premiere von Sartres Schauspiel "Die schmutzigen Hände". TAG24 war vor Ort - was kann das Stück?
In Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" wird der junge Hugo als Sekretär bei Hoederer, dem Anführer seiner Partei, eingestellt.
Schon bald kommt ans Licht, dass Hoederer Verhandlungen mit politischen Gegnern führt und Hugo wird die "Ehre" zuteil, den Verräter umzubringen. Doch Hugo fällt es von Tag zu Tag schwerer, diese Entscheidung zu treffen, bis das Fass schließlich überläuft.
"Die schmutzigen Hände" gibt keine Antwort auf die Frage, was ist richtig oder was ist falsch und was sind korrekte Beweggründe, jemanden umzubringen - oder eben auch nicht.
Regisseurin Carlotta Salamon inszeniert Sartres Klassiker mit einem überraschend modernen und wohltuend frischem Händchen.
Salamon lässt die Handlung in einer nicht näher bestimmten Zukunft spielen, in der die Welt wirtschaftlich am Ende ist und ein Krieg vor der Tür steht - mit diesem Kniff schiebt sie das Schauspiel auf eine erschreckend aktuelle Ebene, die keinen Zuschauer kaltlässt.
Schauspiel glänzt mit Aktualität und großer Schauspielkunst
Besonders die Schlussszene führt die Wichtigkeit eines jeden einzelnen für politische Entscheidungen im Land vor: Wir haben vielleicht für eine Zukunft gestimmt, wir können sie aber auch immer noch weiter verändern.
Das gut zweistündige Stücke wird immer wieder durch kleinere Gesangs- und Bewegungsszenen aufgelockert. Einige dieser Einschübe wirken aber leider recht deplatziert und ziehen das Schauspiel unnötig in die Länge.
Meike Kurella gestaltet simple Kostüme, die an Uniformen erinnern und andererseits große Köpfe aus Pappmaché für die Spitzel, die grotesk, witzig und irgendwie gruselig wirken - eine tolle und originelle Idee!
Das fünfköpfige Ensemble zeigt wieder eine absolute Meisterklasse der Schauspielkunst. Besonders Lorenz Krieger als Hugo und Rainer Frank als Hoederer haben ihre Rollen komplett verstanden.
Krieger spielt die Verzweiflung, den Hochmut und die Zerrissenheit der moralisch grauen Hauptfigur hervorragend.
Ist "Die schmutzigen Hände" am Theater Magdeburg einen Besuch wert?
Isabel Will als Hugos Ehefrau Jessica ist charmant, dann plötzlich verrucht und clever - genau das, was die überraschende Wendung am Ende des Stücks verlangt.
Fazit: Das Theater Magdeburg hat mit "Die schmutzigen Hände" ein Schauspiel auf die Bühne gebracht, was aktueller nicht sein könnte, was durch eine angenehm moderne Erzählung und einige interessante inszenatorische Kniffe unterstrichen wird.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler zeigen ihre große Kunst und sind am Ende auch der Grund, der hoffentlich zahlreiche Zuschauer in die kleine Kammer des Schauspielhauses ziehen wird.
Weitere Vorstellungen findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.
Titelfoto: Bildmontage: Theater Magdeburg/Katrin Ribbe

