Eklat in Magdeburg: Wurde Lesung von Aktivist Semsrott wegen "politischem Druck" abgesagt?

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Magdeburg - Der Aktivist und Journalist Arne Semsrott (38) sollte am 5. Juni in der Magdeburger Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch vorlesen – eigentlich. Doch die Lesung wurde spontan abgesagt. Das erntet Kritik – nicht nur von Semsrott selbst.

Die Lesung von Autor und Aktivist Arne Semsrott (38) in Magdeburg wurde verlegt.
Die Lesung von Autor und Aktivist Arne Semsrott (38) in Magdeburg wurde verlegt.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der 38-Jährige wollte sein neues Werk "Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück" in der Stadtbibliothek vorstellen. Dann der Paukenschlag: Die Lesung darf dort nicht mehr stattfinden, sie wurde in den Moritzhof verlegt.

Für Semsrott selbst steht klar fest: "Politischer Druck" sei der Grund für die Absage, postete der 38-Jährige auf der Social-Media-Plattform "Bluesky".

Die AfD-Fraktion hatte im Landtag nach einer vergangenen Lesung Semsrotts eine kritische Anfrage gestellt.

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Damit sich das nicht wiederholt, wurde sein Event verschoben, so die These. Gegenüber MDR Sachsen-Anhalt erklärte der Autor: "Ich würde stark davon ausgehen, dass die sich da wegducken vor solchen kritischen Fragen."

Oberbürgermeisterin Simone Borris will sich im Stadtrat zum Eklat äußern.
Oberbürgermeisterin Simone Borris will sich im Stadtrat zum Eklat äußern.  © Isabelle Wiermann/TAG24

Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt und die Schriftstellervereinigung PEN Berlin übten jetzt scharfe Kritik. PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel sprach von einem "Akt der Feigheit", Linken-Fraktionschefin Eva von Angern (49) von einer "politischen Bankrotterklärung".

Zudem sprachen sich zahlreiche Kultureinrichtungen nach der Kontroverse um Semsrott über Kunstfreiheit aus.

"Die Freiheit der Kunst und Wissenschaft ist nicht verhandelbar", heißt es etwa in einem Statement vom Theater und Kunstmuseum Magdeburg sowie der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. "Diese Versuche, Debatten zu verengen, Menschen auszugrenzen und Kunst zu kontrollieren, widersprechen unserem Selbstverständnis."

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Auch Kritik an Oberbürgermeisterin Simone Borris (63, parteilos) wurde laut. "Es braucht ein deutliches Zeichen der Oberbürgermeisterin [...]: Demokraten sind herzlich willkommen, rechtspopulistische Hetze gehört verbannt und entschlossen widersprochen", sagte von Angern der Deutschen Presse-Agentur. Die Stadtverwaltung teilte daraufhin mit, dass sich Borris in der Stadtratssitzung am Donnerstag äußern wolle.

Die Autorenlesung zu "Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück" findet am 5. Juni um 19 Uhr in der Scheune auf dem Moritzhof statt. Der Eintritt ist frei.

Titelfoto: Bildmontage: Bernd von Jutrczenka/dpa, Isabelle Wiermann/TAG24

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