"Eugen Onegin": Ist das Regie-Debüt des Magdeburger Generalintendanten geglückt?

Magdeburg - Gebrochene Herzen, dramatische Arien und ein atemberaubendes Bühnenbild: Das Theater Magdeburg startet mit der russischen Oper "Eugen Onegin" ins neue Jahr. TAG24 war bei der Premiere des Opernklassikers dabei. Lohnt sich ein Besuch?

Die junge Olga (l.) ist ganz entzückt von der Liebe - ihre ältere Schwester Tatjana (r.) versinkt lieber in Büchern.
Die junge Olga (l.) ist ganz entzückt von der Liebe - ihre ältere Schwester Tatjana (r.) versinkt lieber in Büchern.  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Die Witwe Larina und ihre beiden Töchter Olga und Tatjana bekommen eines Abends Besuch von Olgas Geliebten Lenski, der seinen Freund Eugen Onegin vorstellt. Sofort ist die schüchterne Tatjana Hals über Kopf verliebt. Sie gesteht ihre Liebe in einem dramatischen Liebesbrief, doch Eugen weist sie ab.

Wenig später flirtet Eugen dann mit ihrer Schwester, was Lenski unglaublich eifersüchtig stimmt. Er fordert Eugen zu einem Duell: In einem dramatischen Crescendo schließt der zweite Akt mit Lenskis Tod.

Jahre später hat sich Tatjana zu einer erfolgreichen, verheirateten Frau entwickelt. Doch ihre Wege kreuzen sich erneut mit Eugen, der sie nun in einem anderen Licht sieht. Wird Tatjana ihren Ehemann für Eugen verlassen? Oder bleibt sie ihrem Schwur treu?

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Mit Tchaikovskys Meisterwerk "Eugen Onegin" landet das Theater Magdeburg nicht nur die erste Premiere des neuen Jahres, sondern auch das Regie-Debüt des neuen Generalintendanten Julien Chavaz (40). Doch wie ist die Inszenierung dem Schweizer geglückt?

Eindrücke von "Eugen Onegin"

Bei einer großen Feier mit allen Nachbarn stellt Olgas Freund Tatjana jemanden vor.
Bei einer großen Feier mit allen Nachbarn stellt Olgas Freund Tatjana jemanden vor.  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme
Der Nachbarsjunge Eugen Onegin verdreht Tatjana den Kopf...
Der Nachbarsjunge Eugen Onegin verdreht Tatjana den Kopf...  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme
...nach einem dramatischen Liebesbrief weist er sie ab...
...nach einem dramatischen Liebesbrief weist er sie ab...  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Theater Magdeburg startet mit rührendem Operndrama ins neue Jahr

...erst Jahre später begreift Eugen seinen Fehler.
...erst Jahre später begreift Eugen seinen Fehler.  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Bereits nach wenigen Minuten kann sich das Publikum kaum auf seinen Plätzen halten. Spätestens mit der ersten Chor-Nummer ist klar: In den nächsten drei Stunden ist viel zu erwarten. Die musikalische Leiterin Anna Skyrleva zeigt erneut, was sie künstlerisch auf dem Kasten hat.

Die explosiven Ensemble-Stücke, sowie die Soli von Tatjana, Lenski und Eugen werden immer wieder mit tosendem Applaus belohnt. Und das zurecht: Besonders die beiden Hauptdarsteller, Anna Malesza-Kutny als Tatjana und Marko Pantelic als Eugen, hörten förmlich nicht auf, mit ihrem schieren Gesangs- und Schauspieltalent zu glänzen.

Für die ersten beiden Akte ist das Bühnenbild eine liebevoll gestaltete, detaillierte Waldszenerie. Im letzten Teil wendet sich das Bild zu einem krassen, minimalistischen Kontrast, der die Figuren auf die Anklagebank befördert - und untermalt somit perfekt das dramatische Ende.

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Das einzige Manko: Die Darstellerin der Ammenfigur, Jadwiga Postrozna, war leider gesundheitlich angeschlagen und wurde, zumindest musikalisch, durch Anna Maria Dur ersetzt, die aus dem Orchestergraben sang. Trotz der tollen Gesangskunst waren die Einsätze, besonders in Gruppen- und Kanongesängen, einfach etwas zu leise. Doch das sollte nach Genesung der Hauptbesetzung kein Problem mehr sein.

Fazit: Der minutenlange, tosende Applaus am Ende der dreistündigen Oper sagt alles. Die Schauspieler faszinieren die Zuschauer mit ihrem Können, die Szenerie und die Kostüme harmonieren gut und das Theater Magdeburg hat wieder bewiesen, dass es von Opernklassikern so einiges versteht. "Eugen Onegin" ist ein Muss für alle Opernliebhaber. Gratulation zum geglückten Regie-Debüt, Herr Chavaz!

Weitere Vorstellungen von "Eugen Onegin" findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.

Titelfoto: Bildmontage: Theater Magdeburg/Nilz Böhme

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